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Portrait Bob Schneider

Autor:

Bob Schneider, lic. phil. I, geboren 1960, studierte Sozialwissenschaften an der Universität Freiburg und arbeitete anschliessend während mehr als 10 Jahren im Sozial- und Gesundheitsbereich. Nach einiger Zeit „Basisarbeit“ – vorwiegend in drogentherapeutischen Einrichtungen – übernahm er eine Führungsfunktion beim Sozialamt der Stadt St. Gallen. Am BSO-anerkannten Institut für Angewandte Sozialwissenschaften in Maienfeld und Zürich bildete er sich parallel dazu zum Supervisor und Organisationsentwickler aus und war anschliessend beteiligt am Aufbau einer Praxisgemeinschaft für Erwachsenenbildung. Bevor er definitiv den Schritt in die berufliche Selbstständigkeit wagte, war er noch während rund 2 Jahren als Geschäftsführer einer NGO tätig.

Das iek Institut für Emotionale Kompetenz wurde im Jahr 2000, als GmbH mit Sitz in Bern, von Bob Schneider und Karin Grisenti Schneider gegürndet. Dieses Institut hat sich spezialisiert auf die Analyse und Entwicklung von Kompetenzen im Bereich der soft skills, wobei Team- und Einzelcoachings, Selektions- und Development-Assessments sowie Workshops in der Personal- und Kaderentwicklung zur breiten Angebotspalette gehören. Der Kundenkreis setzt sich zusammen aus Privatpersonen, KMU, NPO und Verwaltung. Weitere Informationen finden Sie unter www.iek.ch

Konflikte und Emotionen im Berufsalltag

Konflikte und Emotionen mit emotionaler Intelligenz in den Griff bekommen

Von Bob Schneider, Geschäftsführer Institut für Emotionale Kompetenz

Während früher im Beruf nur das Rationale zählte, soll man jetzt – um den neusten Trends der Managermagazine zu entsprechen – auf einmal möglichst emotional sein. Doch sind Emotionen im Arbeitsalltag wirklich immer hilfreich? Wie soll man sich verhalten, wenn man in schwierigen Konfliktsituationen mit Emotionen wie Wut oder Verzweiflung zu tun hat? Inwiefern kann uns da der häufig missverstandene Begriff der Emotionalen Intelligenz (EQ) wirklich weiter helfen?

Am Anfang des letzten Jahrhunderts hat der berühmte Soziologe und Organisationstheoretiker Max Weber das Ideal moderner Organisationen wie folgt beschrieben: “Der ideale Beamte waltet seines Amtes ohne Hass und Leidenschaft, daher ohne Liebe und Enthusiasmus.“ Dieses Gebot, dass während der Arbeit möglichst nicht gefühlt werden soll, hat sich erstaunlich lange gehalten und scheint auch heute noch in vielen Unternehmen zu gelten. An erster Stelle stehen Zahlen, Daten und Fakten. Emotionen werden dagegen nach wie vor von vielen als irrational und störend für den Arbeitsprozess betrachtet. Offensichtlich herrscht also in Sachen „Umgang mit Emotionen“ auch heute noch in vielen Unternehmen der Schweiz eine gewisse Ratlosigkeit – um nicht zu sagen Naivität. Denn die Vorstellung, dass Emotionen im Arbeitsleben keine Rolle spielen sollten, ist alles andere als realistisch – sie ist geradezu irrational Emotionen gehören zu unserem Leben wie die Luft zum Atmen. Neurobiologen und Psychologen gehen neuerdings sogar davon aus, dass letztlich die Gefühle für unser Leben das bestimmende Leitmotiv schlechthin sind. Welches Auto wir kaufen, welchen Mitarbeiter wir anstellen oder welchen Ferienort wir wählen: Am Schluss entscheidet meistens das Gefühl. Seit Daniel Goleman mit seinen Bestsellern über die Emotionale Intelligenz und den Erfolgsfaktor EQ Gefühle selbst in den höheren Chefetagen ein Stück weit salonfähig gemacht hat, scheint sich nun auch in der Schweizer Arbeitswelt etwas zu bewegen. Häufig wird der Begriff „Emotionale Intelligenz“ aber fälschlicherweise noch gleichgesetzt mit Gefühlsduselei oder mit hemmungslosem Ausleben sämtlicher Emotionen. Damit wird man dem EQ-Ansatz jedoch nicht gerecht. Doch was ist eigentlich mit EQ genau gemeint?

Die vier Dimensionen von EQ

Man unterscheidet heutzutage üblicherweise zwischen vier verschiedenen Dimensionen, welche sich durch die Kombination der Achse „Wahrnehmung – Verhalten“ mit der Achse „Innenwelt – Aussenwelt“ ergeben. Wichtig ist dabei zu bemerken, dass sich die vier Dimensionen aufeinander beziehen und auch voneinander abhängig sind.
  • a) Emotionale Selbstwahrnehmung
    Gemeint ist die Fähigkeit, seine eigenen Emotionen bewusst wahrnehmen zu können. Dies klingt einfach, stellt aber nicht selten die höchste Hürde dar im EQ-Lernprozess, zumal wir im Verlaufe unserer Sozialisation häufig genau diese Fähigkeit verlernt haben. Wer in seiner Kindheit und Jugendzeit immer wieder gehört hat, dass Emotionen stören und hinderlich seien, der hat meist auch gelernt, sie so gut zu verstecken, dass ein Wiederentdecken nicht auf Knopfdruck möglich ist. Emotionale Selbstwahrnehmung heisst im Prinzip nichts anderes als sich selbst gut zu kennen– mit all seinen eigenen Emotionen. Dies kann trainiert werden – z. B. durch eine intensive 2 Beschäftigung mit der Grundhaltung der inneren Achtsamkeit.

  • b) Selbstmanagement
    Es geht nicht darum, dass wir all unsere Gefühle immer sofort ausleben sollen, sondern um ein bewusstes und gezieltes Einsetzen der eigenen emotionalen Energie. Erst dadurch, dass wir unsere Emotionen bewusst als solche erkennen, haben wir die Möglichkeit, sie bewusst kontrollieren zu können. Dies kann bedeuten, dass wir eine Emotion bewusst nach aussen zeigen, es kann aber umgekehrt auch bedeuten, dass wir sie eben bewusst nicht zeigen. Der entscheidende Punkt liegt in unserer bewussten Entscheidung. Auf die Kurzformel gebracht: Wir haben unsere Emotionen im Griff, nicht die Emotionen uns.

  • c) Emotionale Fremdwahrnehmung / Empathie
    Erst durch die bewusste Fremdwahrnehmung sind wir fähig, uns in einer sozialen Situation zu orientieren. Erst durch das bewusste Erkennen der Bedürfnisse und Gefühlslagen unserer Mitmenschen können wir uns ein klares Bild darüber verschaffen, mit wem wir es zu tun haben, welche Erwartungen an uns herangetragen werden – aber auch welche Handlungsspielräume sich uns eröffnen. Empathisch zu sein bedeutet nicht, auf alle Wünsche und Erwartungen der Mitmenschen eingehen zu müssen. Vielmehr geht es darum, sich durch den emotionalen Radar ein möglichst genaues Bild der Ausgangslage verschaffen zu können. Die Fähigkeit der emotionalen Fremdwahrnehmung ist im Prinzip ein äusserst effizientes Informationsbeschaffungs-Instrument, das uns in mancher Hinsicht dienlich sein kann.

  • d) Soziale Kompetenzen
    Erst mit der sozialen Kompetenz sind wir schliesslich in der Lage, unsere Wahrnehmungen und die darin gespeicherten Informationen in gezieltes Handeln umzusetzen. Erst auf dieser Ebene geht es darum, soziale Situationen zu antizipieren und die möglichen Folgen unserer Handlungen abzuschätzen. Gute Kommunikation gelingt erst durch die Anwendung von sozialer Kompetenz. Erst dadurch sind wir in der Lage, bewusst Ziele zu verfolgen und die zahlreichen Informationen, welche wir dank unseres emotionalen Radars zur Verfügung haben, gezielt zu nutzen.

Verantwortung übernehmen

Soweit die vier EQ-Dimensionen. Wie aber kann uns dies nun helfen, wenn wir im Alltag mit konkreten Konflikten umgehen müssen?

Natürlich ist es am einfachsten, wenn Konflikte auf der Sachebene gelöst werden können. Wo dies möglich ist, hat man in der Regel auch keine echten Probleme in der Konfliktbereinigung. Weit schwieriger wird es da, wo eigene und fremde Emotionen die Sache hochschaukeln, die Luft allmählich zum Abschneiden dick wird und sich die Situation zuzuspitzen scheint. Wie soll man sich verhalten, wenn man mit Angst, Enttäuschung, Misstrauen und Aggression zu tun hat? Wäre es da nicht viel einfacher – der Maxime von Max Weber folgend – diese Gefühle aus der Arbeitswelt zu verbannen und sich auf die reine Rationalität zu konzentrieren?

Es wäre zwar zweifellos einfacher, nur ist die Fragestellung falsch. Denn wir haben gar keine Wahl. Solche Emotionen gehören zu uns, weil wir nun einmal menschliche Wesen sind. Das einzig Vernünftige, was wir in Anbetracht dieser Tatsache tun können, ist zu überlegen, wie wir am besten damit umgehen können. Ein wichtiger Grundsatz in diesem Zusammenhang ist folgender: Emotionen haben immer eine Wirkung – unabhängig davon, ob sie uns bewusst sind oder nicht. Unbewusste Emotionen haben allerdings die Tendenz, in den Untergrund bzutauchen und dort allmählich ein grosses destruktives Potenzial zu entwickeln. Intrigen und kostenintensive Mobbing-Fälle haben immer verdrängte Aggressionen und Konflikte als Ursache. Auch die menschlichen Tragödien, die sich in jüngster Zeit in Banken und Verwaltungen der Schweiz abgespielt haben, sind höchstwahrscheinlich auf solche Phänomene zurückzuführen. Selbst das Scheitern von grossen Firmenfusionen und Umstrukturierungen lässt sich oft auf verdrängte und im Unbewussten schwelende Konflikte zurückführen. Daher ist es weit vernünftiger, sich der Emotionen bewusst zu sein.

Emotionale Selbstwahrnehmung und Selbstmanagement bedeuten hier, die Verantwortung für alle eigenen Emotionen zu übernehmen und damit möglichst zu verhindern, dass einige davon im Untergrund ein destruktives Potenzial entwickeln. Überall dort, wo dies zudem von verantwortungsvollen Führungspersonen aktiv vorgelebt wird, herrschen gute Voraussetzungen für eine konstruktive Streitkultur, in welcher auch „negative“ Emotionen ihren Platz haben, ohne dass sie völlig ausser Kontrolle geraten und einen grossen Schaden anrichten können. Denn nicht die völlige Abwesenheit von negativ besetzten Gefühlen kann ein realistisches Ziel sein, sondern nur der bewusste und konstruktive Umgang damit. In diesem Sinne stellt die praktische Umsetzung von EQ auch eine überaus rationale Handlungsoption dar. EQ im Berufsalltag zu integrieren ist zwar eine Kunst – aber eine durchaus erlernbare, sofern man sich wirklich darauf einlässt.

Kontakt

iek Institut für Emotionale Kompetenz
Spitalackerstr. 60
CH-3013 Bern
 
Telefon  +41 (0)31 333 42 33
Telefax  +41 (0)31 333 42 34

bob.schneider@iek.ch
www.iek.ch

 

>> Vier Schritte zur exzellenten Führung (April 07)


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