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Von Prof. Dr. Heike Bruch und Dr. Bernd Vogel, Universität St. Gallen, Institut für Führung und Personalmanagement
Organisationale Energie: Empowerment und Leadership zur Aktivierung und Ausrichtung der produktiven Energie von Unternehmen
Ein wesentlicher Unterschied zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Unternehmen ist deren Umgang mit der Energie in den Firmen. Erfolgreichen Unternehmen gelingt es, Energie zu aktivieren und sie für die entscheidenden Initiativen und Veränderungen einzusetzen (Bruch/Vogel 2005; Bruch/Vogel, 2006). Firmen mit produktiver Energie wachsen schnell, erzeugen viele Innovationen und verändern sich erfolgreich. Unsere Studien zeigen, dass für das Ausmass an produktiver Energie insbesondere zwei Faktoren verantwortlich sind: Team-Empowerment und spezifisches Führungsverhalten sind verantwortlich für die systematische Aktivierung und Fokussierung der Energiepotenziale.
Was ist organisationale Energie?
Organisationale Energie beschreibt den Energiezustand von Firmen oder Teams insgesamt. Organisationale Energie ist als die Kraft zu verstehen, mit der Unternehmen zielgerichtet Dinge bewegen. Die Stärke der organisationalen Energie zeigt das Ausmass, in dem ein Unternehmen sein emotionales, mentales und verhaltensbezogenes Potenzial für die Verfolgung seiner Ziele mobilisiert hat. Energie ist dann beobachtbar in der Vitalität, Intensität und Geschwindigkeit der Arbeitsprozesse und Veränderungen in Unternehmen.
Zustände der organisationalen Energie in Ihrem Unternehmen
Vier Energiezustände sind typisch für Organisationen (Bruch/Vogel 2005). Sie beruhen auf einer Kombination der Dimensionen Qualität und Intensität organisationaler Energie.
| Korrosive Energie |
Produktive Energie |
| Resignative Trägheit |
Angenehme Trägheit |
Negativ QUALITÄT Positiv
- Der Energiezustand der produktiven Energie ist vor allem in erfolgreichen und innovativen Unternehmen anzutreffen. Diese zeigen ein hohes Mass an Engagement, Einsatz und Wachsamkeit, das von starken, positiven Emotionen begleitet wird. Diese Firmen kanalisieren ihren Enthusiasmus, ihre Aufmerksamkeit und Anstrengungen auf die Erreichung gemeinsamer Ziele. Dadurch können sie z.B. neue Produkte oder systematische Kostenoptimierung mit grosser Kraft vorantreiben und haben zugleich das Commitment und hohe Zufriedenheit der Mitarbeiter.
Allerdings gibt es auch kritische Energiezustände.
- Bei angenehmer Trägheit herrscht niedrige, positive Energie. Unternehmen zeigen nur geringe Handlungsintensität, niedrige Wachsamkeit für Veränderungen und schwache emotionale Spannung, da sie mit dem Status Quo der Firma, z.B. Strategie oder Kostensituation, sehr zufrieden sind.
- Bei resignativer Trägheit sind Unternehmen insbesondere durch Enttäuschung oder Gleichgültigkeit geprägt. Niedriger Einsatz vieler Mitarbeiter, weniger Interaktion im Unternehmen und schwache Kommunikation sowie geringes Interesse an den Unternehmenszielen dominieren.
- Bei korrosiver Energie herrscht dagegen ein hohes Mass an Aktivität, Wachheit und emotionaler Involviertheit - aber diese wirken negativ: Teams engagieren sich nach innen in destruktiven Aktivitäten wie internen Kämpfen, Spekulationen über Firmenentscheidungen oder mikropolitischen Aktivitäten, um andere Bereiche bewusst zu schwächen.
Team-Empowerment und spezifisches Führungsverhalten sind wesentliche Stellhebel für Unternehmen, um kritische Energiezustände zu verlassen und produktive Energie in Unternehmen zu erreichen.
Empowerment als Treiber von organisationaler Energie
Führungskräfte setzen bei der Mobilisierung von produktiver Energie vor allem auf Empowerment, da Empowerment Initiative und höhere Leistung der Mitarbeiter freisetzt. Jedoch ist wichtig, nicht nur einzelne Mitarbeiter gezielt zu ermächtigen und zu befähigen, sondern gezielt das Empowerment-Empfinden von ganzen Teams oder Unternehmensbereichen zu steigern. Damit Team-Empowerment entsteht und produktive Wirkung entfalten kann, müssen Teams vier unterschiedliche Aspekte in ihrer Arbeit wahrnehmen (zum Folgenden Kirkman/Rosen 1999):
Entscheidend ist, dass Unternehmen gleichzeitig an den vier Hebeln ansetzen. Team-Empowerment ist dann eine starke Quelle von produktiver Energie. Unternehmen können dafür auf zwei unterschiedliche Führungsstile setzen: inspirierende Führung sowie problemorientierte Führung.
Inspirierende und problemorientierte Führung zur Steigerung organisationaler Energie
Inspirierende Führung setzt vor allem auf die Vision des Unternehmens und persönliches Vorbildhandeln aller Führungskräfte, um Teams und Mitarbeiter zu begeistern und sie dazu zu bringen, sich für übergeordnete Ziele und anspruchsvollere Vorhaben einzusetzen. Inspirierende Führung spricht aber auch direkt den Optimismus und das Selbstvertrauen der Mitarbeiter an, um beide Aspekte bewusst zu stärken. Inspirierende Führung unterstützt somit Team-Empowerment.
Problemorientierte Führung (Bruch/Shamir/Eilam-Shamir 2007) setzt auf das Bedürfnis von Menschen, negative Entwicklungen zu verhindern oder zu überwinden. Führungskräfte verweisen bewusst und direkt auf Bedrohungen und negative Entwicklungen des Unternehmens oder des Teams und aktivieren so gezielt die Energien des Unternehmens. Eine Bedrohung fördert Energie dann, wenn sie vom Unternehmen als gemeinsam relevante, aber auch mit den vorhandenen und aufzubauenden Fähigkeiten bezwingbare Herausforderung empfunden wird. Eine zentrale Aufgabe ist zugleich die Stärkung des Zusammenhalts sowie des Erfolgszuversicht, um zu einer gemeinsamen Problembewältigung zu kommen. So entwickeln sich hohe positive Anspannung sowie intensives Engagement und Einsatz, das heisst produktive Energie.
Wie organisationale Energie gemessen und sichtbar gemacht werden
Ein entscheidender Faktor für Führungskräfte und der Ausgangspunkt ihres Energiemanagements ist es, den Energiezustand ihres Unternehmens und der unterschiedlichen Einheiten und Teams zu kennen.
Abb. 2: Zustände organisationaler Energie
Führungskräfte sollten daher den Energiezustand in ihren Unternehmen sowie die für Energie verantwortlichen Einflussfaktoren regelmässig messen und analysieren. Dies kann mit Hilfe eines standardisierten Fragebogens – dem Organizational Energy Questionnaire (OEQ) –und der Visualisierung über so genannte Energie-Cockpits geschehen. Die Ergebnisse zeigen, inwieweit ein Unternehmen Firma sein Energiepotenzial nutzbar gemacht hat und wie zentrale Hebel der Energiemobilisierung und -fokussierung, z.B. Führung oder Team-Empowerment ausgeprägt sind. An diesen Ergebnissen kann das Energiemanagement ansetzen, um im Unternehmen gezielt produktive Energie zu erzeugen und zu erhalten.
Literaturhinweise
Bruch, H., Shamir, B., & Eilam-Shamir, G. (2007): Managing Meanings in Times of Crisis and Recovery: CEO Prevention-Oriented Leadership. In R. Hooijberg, J.G. Hunt, J. Antonakis, K. Boal mit N. Lane (Hrsg.), Being There Even When You Are Not: Leading Through Structures, Systems, and Processes. Elsevier (im Druck)
Bruch, H. / Vogel, B. (2005): Organisationale Energie – Wie Sie das Potenzial Ihres Unternehmens ausschöpfen, Wiesbaden
Bruch, H., / Vogel, B. (2006). Die Organisationale Energie steigern – wie Führungskräfte die Potenziale eines Unternehmens mobilisieren können. Personalführung, 39 (9), S. 20-26
Kirkman, B. L. / Rosen, B. (1999): Beyond self-management: Antecedents and consequences of team empowerment, in: Academy of Management Journal, 42 (1), 58–74
Bisherige Artikel der Universität St. Gallen:
>>"Schnelligkeit im HR-Management", von Dr. Ursula Knorr, Lehrbeauftragte der Universität St. Gallen für Betriebswirtschaftslehre
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