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In Kooperation mit 
Von Karsten Stroh, Leiter des Aktienteams bei JPMorgan Asset Management
Die Theorie der effizienten Märkte geht davon aus, dass alle Anleger immer
rational und logisch handeln und alle ihnen zur Verfügung stehenden Informationen
nutzen, um höchstmögliche Renditen zu erzielen. Dies würde bedeuten,
dass es keine Unregelmäßigkeiten oder Ineffizienzen an den Aktienmärkten
gibt, dass alle Informationen über ein Unternehmen allen Anlegern
gleichzeitig zur Verfügung stehen und dass diese Informationen sofort im Aktienkurs
des Unternehmens eingepreist werden. Soweit die Theorie – doch die
Praxis sieht anders aus, denn Menschen lassen sich auch an den Finanzmärkten
unbewusst von ihren Gefühlen leiten. Und so sorgt das irrationale Verhalten
von Anlegern immer wieder für Marktungleichgewichte. Dies nutzen
Fondsmanager mit Hilfe von „Behavioural Finance“ in ihren Anlagestrategien
aus.
Das irrationale Verhalten der Anleger beeinflusst Märkte und Preisbewegungen
sowohl kurz- als auch mittel- und langfristig. Bemerkenswert ist dabei, dass
nicht nur private, sondern auch professionelle Anleger wie Fondsmanager
und Pensionskassen sich beim Investieren mehr von ihren Gefühlen als von der
Vernunft leiten lassen. Es sind ihre irrationalen Entscheidungen, die Marktanomalien
und Preisverzerrungen an den Aktienmärkten hervorrufen.
Diese Sichtweise hat seit der Verleihung des Nobelpreises für Wirtschaft im
Jahr 2002 an Professor Daniel Kahneman von der Princeton University zunehmend
an Aufmerksamkeit gewonnen. Kahneman hat das Verhalten von Investoren
über Jahre hinweg beobachtet und aufgezeigt, wie das tatsächliche
Anlegerverhalten von den Annahmen der traditionellen Wirtschaftstheorie
abweicht. Er weist nach, dass die meisten Anlageentscheidungen ebenso
sehr auf Angst, Unsicherheit, persönlichen Vorlieben und Selbstüberschätzung
basieren wie auf objektiven Marktdaten. Außerdem lassen sich Kahneman
zufolge Anleger nicht nur von ihren Vorurteilen, sondern auch vom sogenannten
Herdentrieb leiten. Das heißt, Anlageentscheidungen werden oft nach
dem Motto „Folge der Menge“ getroffen – egal was die Marktdaten sagen.
Das Ergebnis dieses Verhaltens sind über Jahrhunderte hinweg immer wiederkehrende
Marktblasen, von der Tulpen-Manie der 1680er Jahre in Holland bis
zur „Dotcom-Blase“ gegen Ende der 1990er Jahre.
Die Aussicht, beim Investieren einen so unvorhersagbaren Faktor wie menschliche
Gefühle berücksichtigen zu müssen, erscheint auf den ersten Blick als
nahezu unlösbares Problem. Beim näheren Hinsehen relativiert sich diese Aufgabe
jedoch, denn irrational bedeutet nicht regellos. Kahneman und andere
Behavioural Finance-Experten zeigen auf, dass Anleger kontinuierlich immer
wieder denselben unlogischen Verhaltensmustern folgen. Daher sollte jeder
Anleger, der permanent höhere Renditen als der Markt erzielen möchte, die
drei wichtigsten in diesem Zusammenhang relevanten Verhaltensmuster kennen:
Selbstüberschätzung – Übersteigertes Selbstvertrauen führt dazu, dass Fondsmanager
regelmäßig Vorhersagen treffen, die auf ungenügenden Informationen
beruhen. Sie überschätzen die Zuverlässigkeit ihrer eigenen Analysen
und Prognosen und neigen dazu, Fehler, die sie in der Vergangenheit gemacht
haben, zu vergessen.
Verlustängste – Um Verluste zu vermeiden, ändern Anleger in unterschiedlichen
Situationen ihre Risiko-Einstellung. Wenn sie mit Einbußen konfrontiert
werden, entwickeln sie eine „Alles oder Nichts“-Mentalität. Gewinne hingegen
möchten sie so schnell wie möglich realisieren. Daher tendieren sie dazu,
Aktien, deren Kurse fallen, zu halten, während sie Papiere, die Gewinne erzielen,
zu früh verkaufen. Vernünftig hingegen wäre es, Aktien die sich gut entwickeln
zu halten, bis es ernsthafte Anzeichen für eine Trendwende gibt. Statistisch
gesehen wird eine gute Aktie mit dreimal höherer Wahrscheinlichkeit
verkauft als eine schlechte.
Vereinfachung durch Faustregeln – Verhaltenspsychologen haben nachgewiesen,
dass Menschen in unsicheren und komplizierten Situationen Faustregeln
anwenden, um Entscheidungsprozesse zu vereinfachen. Unsicherheiten
an den Finanzmärkten führen dazu, dass Anleger Entscheidungen darüber,
ob eine Aktie günstig bewertet ist, aufgrund einiger weniger Informationen
treffen, die möglicherweise nicht die gesamte Wirklichkeit widerspiegeln,
während sie andere Informationen ausblenden.
Wie können diese Erkenntnisse nun sinnvoll ausgenutzt werden? Einerseits sollte
man bei der eigenen Anlagestrategie die häufigsten Anlegerfehler vermeiden
und andererseits gleichzeitig von den länger angelegten Marktanomalien
profitieren, die als Folge des irrationalen Verhaltens anderer Anleger
auftreten.
Die Mitglieder der European Equities Group von JPMorgan Asset Management
in London wenden dieses Prinzip an, indem sie für die von ihnen verwalteten
europäischen Aktienfonds Unternehmenswerte identifizieren, die besonders
gute Wachstums- und Substanzmerkmale aufweisen und somit eine
überdurchschnittliche zukünftige Entwicklung erwarten lassen.
Mit dem Style-Ansatz für Substanzwerte nutzen die Fondsmanager ausgesuchte
Aktien, die etwa wegen schlechter Unternehmensnachrichten in der Vergangenheit
am Markt in Ungnade gefallen sind. Häufig sind Anleger solchen
Aktien gegenüber zu pessimistisch eingestellt. Dies hat zur Folge, dass die Papiere
unterbewertet sind, und ihr derzeitiger Kurs nicht ihren inneren Wert widerspiegelt.
Mit Hilfe des geeigneten Katalysators können die Kurse dieser Aktien
jedoch in die Höhe schnellen.
Der Style-Ansatz für Wachstumswerte konzentriert sich auf Aktien mit einem
über-durchschnittlichen Wachstumspotenzial. Viele Anleger verkaufen diese
Werte zu früh, um ihre Gewinne schnell sicherzustellen. Davon profitieren die
Fondsmanager, da sie alle im Markt erhältlichen Informationen analysieren
und so das weitere Gewinnpotenzial der Aktien einschätzen können.
Durch die Kombination der besten Substanz- und der besten Wachstumswerte
in einem Fonds ist es möglich, ein Portfolio zusammenzustellen, das sich in
unterschiedlichen Marktumfeldern günstiger entwickelt als der Markt und dabei
gleichzeitig bessere Wachstumschancen aufweist.
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