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Portrait Regine Moser
Autorin:
Lic. rer. pol. Regine Moser,
ist wissenschaftliche Assistentin und Doktorandin am Institut für Organisation und Personal der Universität Bern (IOP).


Portrait Norbert Thom
Autor:
Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Norbert Thom ist Gründer und Direktor des IOP. Er ist zugleich Mitgründer des Kompetenzzentrums für Public Management (KPM) der Universität Bern.


Portrait Mirjam Brunnschweiler
Autor:
M Sc BA Mirjam Brunnschweiler ist bei der Allianz Suisse Zürich im Bereich Organisation und Projektmanagement tätig. Sie war früher Mitarbeiterin am IOP.

Institut für Organisation und Personal der Universität Bern
Das Institut für Organisation und Personal (IOP) ist ein wissenschaftlich unabhängiges Institut der Universität Bern, das sowohl national als auch international ausgerichtet ist. Schwerpunkte bilden die Fachgebiete Organisation und Personal als wichtige Komponenten der Unternehmensführung. Aktuelle Forschungsprojekte sind Kompetenzforschung, neue Medien in der Personalführung/im Personalmanagement, Gesundheitsmanagement, Wissensmanagement, interkulturelles Human Resource Management und Public Management. Geleitet wird das Institut durch Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Norbert Thom. www.iop.unibe.ch

Work-Life-Balance als Chance für Arbeitgeber und Arbeitnehmer Work Life Balance

Von Moser Regine, Prof. Norbert Thom, Universität Bern, Institut für Organisation und Personal (IOP) und Brunnschweiler Mirjam

Work-Life-Balance: Nice to have oder ein must? Eine Balance zwischen Arbeit und Freizeit wird vielen Menschen angesichts der zunehmenden Arbeitsintensität immer wichtiger. Es zeigt sich, dass die Work-Life-Balance einen großen Einfluss auf das Zufriedenheitsempfinden der Arbeitnehmenden hat. Eine gute Work-Life-Balance führt zu stressresistenteren und allgemein positiver eingestellten Mitarbeitenden, wovon auch die Unternehmen hinsichtlich ihrer Wettbewerbsfähigkeit profitieren.

Die Rahmenbedingungen verändern sich...

Mit zunehmender Globalisierung, dem fortschreitenden Strukturwandel in Richtung wissensintensiver Dienstleistungsberufe und dem Wandel gesellschaftlicher Werte ändert sich die Ausgangslage für Unternehmen und Arbeitende zusehends. Der Druck auf die Erwerbstätigen steigt: Hohe Qualifikationen, permanente Lernprozesse, ein großes Maß an Flexibilität und Mobilität werden verlangt. Die anhaltenden Restrukturierungsprozesse in den Unternehmen intensivieren die Arbeit und können bei den Beschäftigten Unsicherheit, Ängste und Hilflosigkeit hervorrufen, die sich auf deren Gesundheit und Leistungsfähigkeit negativ auswirken. Dies hat wiederum einen ungünstigen Einfluss auf die Produktivität und die Qualität der Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen.1 Auch die Komplexität der Lebenssituationen nimmt zu. Bezüglich vieler Aspekte herrscht eine große Wahlfreiheit hinsichtlich der Möglichkeiten zur Lebens- und Berufsgestaltung.2

Neben dem männlichen sollte aus ökonomischen und sozialen Gründen auch das weibliche Arbeitspotenzial besser genutzt werden. Um den jetzigen Wohlstand zu sichern, dürfen die beträchtlichen Investitionen in die Ausbildung von Frauen (Humankapital) nicht brachliegen.

In den meisten europäischen Ländern wird die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den kommenden Jahren zurückgehen.3 Einerseits trägt das zeitliche Hinausschieben von Heirat und Elternschaft zum Rückgang bei. Andererseits heiraten immer weniger Personen und haben auch weniger Kinder. Gleichzeitig steigt die Zahl der älteren Personen massiv.4 Durch diesen demografischen Wandel, welcher sich im reduzierten Arbeitskräfteangebot und in einer alternden Mitarbeiterschaft widerspiegelt, sind die Unternehmen mehr denn je gezwungen, ihre Belegschaft gesund und damit wettbewerbsfähig zu erhalten.5

...und die Werte wandeln sich entsprechend.

Der Beruf hat einen neuen Stellenwert erhalten, weil sich die Ansprüche der arbeitenden Menschen verändert haben.6 Die Arbeit hat gegenüber anderen Lebensbereichen relativ an Bedeutung verloren. Für eine Karriere wird nicht mehr alles geopfert. Diese Veränderung ist Teil des Wertewandels der heutigen Gesellschaft. Zwar wird der Arbeit weiterhin viel Bedeutung beigemessen, doch zugleich finden andere Werte stärkere Beachtung.7

Da viele moderne Arbeitsplätze aufgrund neuer Technologien weder räumlich noch zeitlich klar vom privaten Lebensraum abgegrenzt sind, findet eine ‚Entgrenzung der Arbeit’ statt. Es besteht – trotz des erwähnten Wertewandels – die Gefahr, dass der einzelne Berufstätige von der Arbeitswelt so stark vereinnahmt wird, dass seine sonstigen Daseinsmöglichkeiten immer mehr an Bedeutung verlieren.8 Der Arbeitsdruck und die Anforderungen an die Arbeitnehmenden steigen und erzeugen bei den Mitarbeitenden zunehmende physische und psychische Probleme.9

Zusammenfassend werden in Abbildung 1 die verschiedenen Einflüsse auf die Work-Life-Balance dargestellt, welche auch deren Ausgestaltungsmöglichkeiten beeinflussen.

CLM-Modell des IOP
Abbildung 1: Wichtige Einflüsse auf die Work-Life-Balance10

Um diesen vielseitigen Herausforderungen begegnen zu können,
sind die Unternehmen aufgefordert, Maßnahmen zur Verbesserung der Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden zu ergreifen. Es gibt kein allgemeingültiges Patentrezept und die Work-Life-Balance-Maßnahmen der Unternehmen können sehr unterschiedlich ausgestaltet werden. Wichtig ist, dass sie stets auf die Bedürfnisse (Präferenzordnungen) der Belegschaft sowie auf den Bedarf der Unternehmen abgestimmt sind.

Career- and Lifestylemanagement (CLM)-Modell für eine beidseitige Optimierung von Arbeits- und Freizeitkomponenten

Das CLM-Modell des Instituts für Organisation und Personal der Universität Bern (IOP) optimiert die Arbeits- und Freizeitkomponenten, indem es sowohl die Person als auch die Unternehmung berücksichtigt.11

CLM-Modell des IOP
Abbildung 2: CLM-Modell des IOP

Durch zielgruppengerecht ausgestaltete Personalinstrumente wird der Verschiedenheit der Mitarbeitenden Rechnung getragen. Ziele des Career- and Lifestylemanagements sind einerseits die Mitarbeiterzufriedenheit und andererseits die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Die Work-Life-Balance bzw. das Career- and Lifestylemanagement können auch als Umsetzungsmöglichkeit für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement dienen.

Vom CLM-Modell zum Work-Life-Balance (WLB-)Modell des IOP


Das vom CLM-Modell abgeleitete WLB-Modell des IOP nimmt primär die Perspektive des Mitarbeitenden ein, da das Ausbalancieren von Anforderungen, Belastungen und Unterstützungen nur subjektiv herstellbar ist. Dennoch sind auch Aspekte (Maßnahmen und Ziele) der Unternehmung integriert.

WLB-Modell des IOP
Abbildung 3: WLB-Modell des IOP

Zuerst werden die Anforderungsbereiche und Bedürfnisse betrachtet. Es handelt sich um die Bereiche Arbeit, Familie und Freizeit. Je nach Person genießen unterschiedliche Bereiche Priorität. Die Erreichung der angestrebten Work-Life-Balance wird durch die Belastungen, sei es im Beruf oder in der Familie, erschwert. Dem gegenüber stehen die Ressourcen und die Unterstützung, die es ermöglichen, mit den Belastungen wirkungsvoll umzugehen. Ziel ist der Aufbau möglichst vieler Ressourcen und der Abbau von Belastungen. Das CLM-Modell steuerte die empirische Untersuchung, aus der ausgewählte Befunde nachfolgend dargestellt werden. Das Modell bietet zudem eine Orientierungshilfe bei der Planung von Maßnahmen sowie für von Kategorien einer Kosten-Nutzenanalyse.

Empirische Untersuchung in 12 Unternehmen

Im Rahmen der CLM-Studie konnten aus 12 Unternehmen der Industrie, dem Finanzsektor, der Verwaltung sowie dem Einzelhandel fast 3'000 Mitarbeitende aller Altersstufen direkt befragt werden. Im Abschnitt „Work-Life-Balance“ wurde der zeitliche Aufwand für die drei Aspekte Familie, Arbeit und Freizeit erfragt. Die Arbeit nimmt bei den Befragten 58.6% der gesamten (schlaffreien) Zeit in Anspruch.

Zeitverteilung
Abbildung 4: Zeitverteilung: Relationen von Familie – Arbeit – Freizeit im Istzustand und Idealfall

Die Befragten wünschen sich, dass der Zeitaufwand für die Arbeit um gut 11% sinken solle. Im Gegenzug sollte die verfügbare Zeit für Freizeitaktivitäten und Familie steigen. 12 77.8% gelingt es sehr oder eher gut, Berufs- und Privatleben voneinander zu trennen. Ein signifikanter Unterschied ist diesbezüglich zwischen Männern und Frauen festzustellen. Letzteren gelingt die Trennung in den meisten Fällen besser, wobei die hierarchische Stellung eine Rolle spielen kann.

Trotz des vorhandenen beruflichen und privaten Drucks vermag die große Mehrheit nach eigener Einschätzung, eine ausgewogene Work-Life-Balance zu erzielen. Grundsätzlich sind die Mitarbeitenden im Berufsleben jedoch mehr unter Druck, als dies im Privatleben der Fall ist. Dies gilt insbesondere für Männer und alle Personen mit tertiärer Ausbildung (Hochschulniveau).

Zielgruppenspezifische Personalarbeit durch Identifizierung von Mitarbeiter-Typen

Insgesamt wurden 9 Items13 für die Ermittlung der verschiedenen Bedürfniskonstellationen der Mitarbeitenden herangezogen. Mittels einer Faktorenanalyse wurde eine Reduktion bzw. eine Bündelung der Variablen 14 auf die drei zentralen Faktoren (Arbeit 17.94% 15, Familie 18.19% und Freizeit 18.87%) erreicht. Auf der Basis der erzielten Faktorwerte, zwischen welchen keine Korrelationen mehr auftreten, kann nun eine Clusteranalyse durchgeführt werden. Das Ziel besteht darin, Cluster (Mitarbeitenden-Typen) zu bilden, die in sich möglichst homogen und untereinander weitestgehend heterogen (separiert) sind. Aufgrund des hohen Stichprobenumfangs haben sich die Autoren für das Quick-Cluster-Verfahren entschieden.16 Die ermittelten Cluster ermöglichen eine zielgruppenspezifische Personalarbeit.

 

Cluster 1

Cluster 2

Cluster 3

Cluster 4

Cluster 5

 

Arbeit

Familie
Arbeit

Freizeit

Familie
Freizeit

Arbeit
Freizeit
Familie

Freizeit

-.94525

-1.17542

.62326

.29543

.56148

Familie

-1.07913

.72139

-1.70041

.50428

. 31169

Arbeit

.18125

.24350

-.30048

-1.23341

.56660

 

(n=404)

(n=533)

(n=346)

(n=587)

(n=1’103)

Tabelle 1: Clusterzentren der endgültigen Lösung17 (Mittelwerte von Faktorwerten)

Durch die Bildung von verschiedenen Mitarbeitenden-Typen lassen sich die Bedürfnisse der Arbeitnehmenden und die Unternehmensziele wirkungsvoll aufeinander abstimmen. Die Ausgestaltung von entsprechenden Maßnahmen und Instrumenten wird der Bedürfniskonstellation des jeweiligen Clusters angepasst.

Bezogen auf den derzeitigen Gesundheitszustand fühlen sich Mitarbeitende des Clusters 5 am gesündesten. Diese sind aufgrund ihrer ausgewogenen Verteilung von Arbeit, Freizeit und Familie grundsätzlich zufriedener, stressresistenter und somit für das Unternehmen am wertvollsten. Eine zielgruppenspezifisch optimierte Work-Life-Balance reduziert nicht nur die Fehlzeiten, sondern steigert die Motivation, die Arbeitsqualität, die Mitarbeiterbindung und damit auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens. Eine Work-Life-Balance in der Cluster-Konstellation 5 hat vermutlich nicht nur positive gesundheitliche, sondern auch günstige wirtschaftliche Auswirkungen.

Folgen einer schlechten Work-Life-Balance

Die Belastungen am Arbeitsplatz und im Privatleben sind sehr vielfältig und können verschiedene Konflikte sowie physische und psychische Probleme auslösen. Auch die Unternehmen sind von einer schlechten Work-Life-Balance ihrer Angestellten negativ betroffen. Diese kann sich in einer mangelnden Arbeitszufriedenheit und einer tiefen Produktivität äussern.18 Daraus resultieren wiederum vermehrte Fehlzeiten, eine hohe Fluktuation mit beachtlichem Aufwand für die Wiederbesetzung der offenen Stellen und ein verschlechtertes Unternehmensimage.19

Bei chronischen Belastungen folgt ein Stressor dem anderen und der Körper verbleibt im Widerstandsstadium. Der Organismus kann sich nicht mehr selbst regulieren und reagiert mit Beschwerden. Durch die geschwächte Leistungsfähigkeit des Immunsystems erhöht sich die Krankheitsanfälligkeit. Zudem wirken sich Belastungen auf das Verhalten des Menschen aus. Oft wird als Folge davon ungesünder gegessen, weniger geschlafen, auf Bewegung verzichtet und mehr Alkohol getrunken.20 Grundsätzlich können sich alle denkbaren Belastungen sowohl psychisch als auch physisch auswirken. Sie verursachen kurzfristige, vorübergehende oder auch langfristige, chronische Reaktionen.21 Die Auswirkungen auf die Arbeit variieren zwischen „unmerklich“ bis „erheblich“. Die möglichen Folgen können einerseits physisch und andererseits psychisch sein:

  • Physische Folgen sind bspw. Arteriosklerose (Herzinfarkt, Schlaganfall), Herz-Kreislauf-Probleme, Magenprobleme (Magenkrämpfe, Sodbrennen, Durchfall), Rückenschmerzen (Wirbelsäuleschäden), Kopfschmerzen (Migräne), Fehlbelastungen (Schäden der Gelenkknorpel), Übergewicht etc.
  • Psychische Folgen sind bspw. Burnout, Depressionen (Niedergeschlagenheit, innere Unruhe, Angstzustände, Traurigkeit, Aggressivität), Schlafstörungen (Schlaflosigkeit, Einschlaf-/Durchschlafstörungen, Schlafwandeln, Albträume), Essstörungen (Bulimie, Magersucht, Appetitmangel, Esssucht) etc.
Im Extremfall erreicht der Mitarbeitende die Stufe der Arbeitsunfähigkeit. Durch die Suche einer Ersatzperson entstehen zusätzliche Kosten auf Unternehmensseite.

Maßnahmen und Instrumente im Personalmanagement zur Verbesserung der Work-Life-Balance

Das Erreichen einer guten Work-Life-Balance ist sehr anspruchsvoll und komplex. Es gilt die individuelle Ebene, die gesellschaftliche und jene der Unternehmen zu berücksichtigen. Eine positiv empfundene Work-Life-Balance kann nur erreicht werden, wenn auf all diesen Ebenen Schritte unternommen werden. Verschiedenste Instrumente können dabei Anwendung finden. Sie sollten nicht als Einzelmaßnahmen ergriffen werden, sondern bleibt ein umfassendes unternehmerisches Konzept eingefügt und den Gegebenheiten der Unternehmung und Belegschaft angepasst sein.22

Nachfolgend werden einige Instrumente im Rahmen des Personalmanagements erwähnt:

  • Arbeitszeitmodelle

Die Gestaltung und der Umfang der Arbeitszeit beeinflussen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in großem Maße.23 Zwar versuchen flexible Arbeitszeitmodelle, sich gleichzeitig am Bedarf von Unternehmen und an den Bedürfnissen der Beschäftigten auszurichten24 , doch bringen sie nicht per se eine Entlastung, zumal die Flexibilität im Extremfall einseitig für die Arbeitgeber vorteilhaft sein kann. Die Flexibilität lässt sich nach zeitlicher Lage und hinsichtlich der Zeitmenge differenzieren. Als weitere Flexibilitätskomponente kommt der Arbeitsort hinzu.25

  • Familienunterstützung

Für eine gute Work-Life-Balance ist die Möglichkeit einer familienexternen Kinderbetreuung wichtig. In der Schweiz sind insbesondere die vorschulische und schulergänzende Kinderbetreuung sowie Blockzeiten an den Schulen nicht geregelt und/oder nur schwach verbreitet.26 Maßnahmen dazu könnten sein: Mutterschaftsurlaub, Vaterschaftsurlaub, Adoptionsurlaub, Kinderkrippen, Betriebskindergärten, Kinderbetreuung in den Ferien, Notfall-Kinderbetreuung, Eltern-Kind-Arbeitszimmer, Stillzimmer, Notfallurlaub, Betreuung von Familienangehörigen, Zusammenarbeit mit unabhängigem Familienberatungs- und Vermittlungsdienst etc.

  • Haushaltsnahe Dienstleistungen

Mit diesem Instrument kann der zeitliche Konflikt bei der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben vermindert werden. Alle Beschäftigten, besonders diejenigen mit überlangen und ungünstig anfallenden Arbeitszeiten, können davon profitieren.27 Von Wäsche- und Bügelservice über Lebensmitteleinkaufsmöglichkeiten zu einem internen Friseurservice ist ein breites Band an Dienstleistungen vorstellbar.

  • Fitness, Wellness und Ernährung

Fitnessangebote, vergünstigte Wellness-Tage, Gesundheits-Checks oder Ernährungsberatungen sind Maßnahmen, welche die Unternehmung ihren Mitarbeitenden anbieten kann.28 Im firmeninternen Gymnastikraum kann ein interner oder externer Trainer ein umfassendes Fitness- und Gesundheitsprogramm durchführen mit Aerobic, Rückentraining oder Selbstverteidigung.29 Das Personalrestaurant vermag zur gesunden Ernährung erheblich beizutragen. Die Akzeptanz wird durch Frische, Abwechslungsreichtum und ansprechende Präsentation der Speisen gefördert.30

  • Beratungsstelle

Eine Beratungsstelle im Unternehmen kann den Mitarbeitenden bei Wünschen, Fragen und Probleme rund um Beruf, Familie und Privatleben helfen. Sowohl zu Fragen der Kinderbetreuung oder Hausaufgabenhilfe als auch zu Fragen hinsichtlich Sport- und Freizeitangeboten wird Auskunft erteilt.31 Ebenfalls können Seminare oder Kurse zu Themen wie Stress, Sucht und Mobbing besucht werden.

Selbstverständlich ist es für ein einzelnes Unternehmen nicht möglich und auch nicht sinnvoll, alle genannten Instrumente anzubieten. Es geht vielmehr darum, dass in Übereinstimmung mit den Bedürfnissen der Belegschaft und der Unternehmung gezielt einzelne Maßnahmen zu einem Paket (bzw. Wahlmöglichkeiten entsprechend dem Cafeteria-Konzept32 ) zusammengestellt werden, welches die Mitarbeitenden bei der Herstellung und Erhaltung einer guten Work-Life-Balance unterstützt. Die Wirksamkeit dieses Massnahmenpakets ist periodisch zu überprüfen.

Dreifacher Nutzen einer guten Work-Life-Balance

Durch eine gute Work-Life-Balance entsteht eine dreifache Gewinn-Situation. Es ergeben sich Vorteile für die einzelnen Beschäftigten, für den Staat bzw. die Gesellschaft und für die Unternehmen.33

Für die Beschäftigten sind zunächst berufliche Anforderungen und private Verpflichtungen besser zu vereinbaren. Außerdem bleiben sie durch eine günstige Aufteilung ihrer Ressourcen physisch und psychisch länger gesund.34

Die Vorteile für den Staat resp. die Gesellschaft zeigen sich in einem stärkeren gesamtwirtschaftlichen Wachstum, ausgelöst durch eine bessere Ausschöpfung des Arbeitskräftepotenzials und einer höheren Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Je mehr Menschen arbeiten, desto mehr Beitragszahler finanzieren die Sozialsysteme und desto tiefer sind die Lohnnebenkosten jedes Einzelnen.35

Die Unternehmen profitieren auf vielfältige Weise von einer gelungenen Work-Life-Balance ihrer Mitarbeitenden, da diese zufriedener, gesünder und damit auch leistungsfähiger sind. Neben dem besseren Betriebsklima steigt auch die Einsatzbereitschaft.36 Die Fehlzeiten, die durch stressbedingte Krankheiten entstehen, nehmen ab und die Fluktuation wird auf einem tiefen Niveau gehalten. Dementsprechend sind auch die Wiederbeschaffungskosten kleiner und der Aufwand für die Suche und Einarbeitung neuer Mitarbeitender entfällt. Mit Instrumenten, welche die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern, werden auch die Überbrückungskosten verringert. Ein verbessertes Image in der Öffentlichkeit vereinfacht zudem die Gewinnung neuer Mitarbeitenden.37

Anmerkungen und Literaturhinweise

1Vgl. Expertenkommission der Bertelsmann Stiftung und der Hans-Böckler-Stiftung: Zukunftsfähige betriebliche Gesundheitspolitik, Gütersloh 2004: 30.

2Vgl. Clutterbuck, David: How to get the payback from investment in work-life-balance. In: Journal for Quality & Participation, 27.Jg. 2004, Heft 3, S.18.

3Vgl. Dostert, Brigitte/Engler, Monika/Huth, Petra: Economic Briefing. Familienpolitik unter neuen Vorzeichen, Nr. 40, hrsg. v. CREDIT SUISSE Economic Research, Zürich 2005: 6.

4Vgl. Bühler, Susanna: Kinder und Karriere – Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Kurzfassung des OECD-Ländervergleichs zu Neuseeland, Portugal und der Schweiz mit besonderer Berücksichtigung der Teile zur Schweiz, Bern 2004: 7 ff..

5Vgl. Badura, Bernhard/Schellschmidt, Henner/Vetter, Christian: Vorwort. In: Fehlzeiten-Report 2002. Zahlen, Daten, Analysen aus allen Branchen der Wirtschaft. Demographischer Wandel. Herausforderungen für die betriebliche Personal- und Gesundheitspolitik, hrsg. v. Bernhard Badura/Henner Schellschmidt/Christian Vetter, Berlin 2003: V f..

6Vgl. Schreyögg, Astrid: Coaching und Work-Life-Balance. In: Organisationsberatung – Supervision – Coaching, 12.Jg. 2005, Heft 4, S. 311.

7Vgl. Kernen, Hans: Arbeit als Ressource. Gesund und leistungsfähig dank persönlichem und betrieblichem Ressourcenmanagement, Bern 2005: 22.

8Vgl. Schreyögg, Astrid: Coaching und Work-Life-Balance. In: Organisationsberatung – Supervision – Coaching, 12.Jg. 2005, Heft 4, S. 310 f..

9 Vgl. Bischof-Jäggi, Franziska: Match! Warum Work-Life-Balance Erfolg bringt, Zürich 2005: 54.

10 Brunnschweiler, Mirjam: Work-Life-Balance. Grundlagen – Instrumente – Nutzen. Unveröffentlichte Masterarbeit am Institut für Organisation und Personal der Universität Bern, Bern 2006

11Vgl. Moser, Regine/Thom, Norbert/Schüpbach, Stefanie: Career- and Lifestylemanagement. Konzept – Empirie – Gestaltungsempfehlungen, Bern 2005: 2 ff.

12Vgl. Moser, Regine/Thom, Norbert/Schüpbach, Stefanie: Career- and Lifestylemanagement. Konzept – Empirie – Gestaltungsempfehlungen, Bern 2005: 25 f.

13z. B. Welche Werte sind Ihnen wichtig? Ehrgeiz? Spontaneität? Gutes Familienleben?

14Maß der Stichprobeneignung nach Kaiser-Meyer-Olkin 0.673; Bartlett-Test auf Sphärizität hat ein Signifikanzniveau von 0.000, was bedeutet, dass die Variablen der Population korrelieren.

15Prozente der Varianz

16Die Anzahl der Cluster wird vom Anwender vorgegeben und mittels mehreren Rechengängen für unterschiedliche Clusteranzahlen durchgeführt, um zu einer adäquaten Lösung zu gelangen.

17Unter diesem Aspekt geben die endgültigen Clusterzentren eine erste Interpretationshilfe. Für die Beurteilung ist zu beachten, dass es sich um Mittelwerte von Faktorwerten handelt, die sich im Bereich von etwa -2 bis +1 bewegen. Die positiven Mittelwerte signalisieren die Hauptpräferenz der Clustermitglieder und wurden zur Kennzeichnung des Clusters herangezogen.

18Vgl. Lockwood, Nancy R.: Work/Life Balance: Challenges and Solutions. In: HR Magazine, 48.Jg. 2003, Heft 6, S. 4.

19Vgl. Prognos AG: Betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse familienfreundlicher Unternehmenspolitik. Eine Studie bei ausgewählten Schweizer Unternehmen, Basel 2005: 37.

20Vgl. Allenspach, Marcel/Brechbühler, Andrea: Stress am Arbeitsplatz. Theoretische Grundlagen, Ursachen, Folgen und Prävention, Bern 2005: 85.

21Vgl. Udris, Ivars/Frese, Michael: Belastung und Beanspruchung. In: Arbeits- und Organisationspsychologie. Ein Lehrbuch, hrsg. v. Carl G. Hoyos/Dieter Frey, Weinheim 1999: 432.

22Vgl. Astor, Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005: 19.

23Vgl. Prognos AG: Betriebswirtschaftliche Kosten-Nutzen-Analyse familienfreundlicher Unternehmenspolitik. Eine Studie bei ausgewählten Schweizer Unternehmen, Basel 2005, 18.

24Vgl. Blum, Adrian/Zaugg, Robert J.: Praxishandbuch Arbeitszeitmanagement. Beschäftigung durch innovative Arbeitszeitmodelle, Chur 1999, 36.

25Vgl. zu den konkreten Modellen: Thom, Norbert/Blum, Adrian: Arbeitszeitgestaltung in Schweizer Unternehmungen. Verbreitung und zukünftige Entwicklung flexibler Arbeitszeitmodelle. In: Zeitschrift Führung + Organisation, 66. Jg. 1997, Heft 3, 150 ff.

26Vgl. Dostert, Brigitte/Engler, Monika/Huth, Petra: Economic Briefing. Familienpolitik unter neuen Vorzeichen, Nr. 40, hrsg. v. Credit Suisse Economic Research, Zürich 2005, 12 f.

27Vgl. Astor, Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005, 18.

28Vgl. Astor, Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005: 18.

29Vgl. Nuri, Midia: Work-Life-Balance in Kassel. In: Personalwirtschaft, 33. Jg. 2006, Heft 1, 12 ff.

30Vgl. Richter, Bernd: Mit Gesundheitsmanagement zur Work-Life-Balance. In: Personalwirtschaft, 33. Jg. 2006, Heft 1, 20 ff.

31Vgl. Nuri, Midia: Work-Life-Balance in Kassel. In: Personalwirtschaft, 33. Jg. 2006, Heft 1, 12.

32Der Cafeteria-Ansatz besagt, dass es dem einzelnen Mitarbeiter überlassen sein sollte, inwieweit er unter der Prämisse der Kostenneutralität zwischen inhaltlich und zeitlich verschiedenen Entgeltbestandteilen (Direktentgelt, Sozialleistungen) innerhalb eines bestimmten Budgets wählen kann, analog der Menü-Auswahl in einer Cafeteria.“ Wagner, Dieter/Grawert, Achim/Langemeyer, Heiner: Cafeteria-Modelle. Möglichkeiten der Individualisierung und Flexibilisierung von Entgeltsystemen für Führungskräfte, Stuttgart/Zürich 1993, 4.

33Vgl. Astor, Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005: 4.

34Vgl. Astor Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005: 6.

35Vgl. Astor Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005: 7.

36Vgl. Astor Michael/Steiner, Michael: Work Life Balance. Motor für wirtschaftliches Wachstum und gesellschaftliche Stabilität. Analyse der volkswirtschaftlichen Effekte – Zusammenfassung der Ergebnisse, hrsg. v. Prognos AG, Berlin/Basel 2005: 26 f..

37Vgl. Steiner, Michael: Wirtschaftliche und gesellschaftliche Effekte einer familienfreundlichen Personalpolitik. In: Die Volkswirtschaft, 77.Jg. 2004, Heft 11, S. 16.

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