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Portrait Alfred Breu Autor:
Alfred Breu,
Präsident Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik (seit deren Bestehen, 11 Jahre), Kaufmann, ursprünglich Bankangestellter mit rund 10 Jahre in der Informatik in Organisations- und Führungsaufgaben, in den Neunziger Jahren als Ressort-Personalleiter einer Grossbank tätig, wo u.A. die Informatik zum Betreuungsgebiet zählte. Die ZLI ist ein Verein mit rund 330 Mitgliedern, die Informatik-Lehrlinge ausbildenden Betriebe. Wirke in der Kommission Bildung von ICTswitzerland mit (Dossier Grundbildung) und im SVIB (Dachverband der Lehrmeistervereinigungen). Er engagierte Sich für Berufs- und Lehrstellenmarketing, die Qualitätsförderung in der Informatik-Grund- und Weiterbildung und für die Berufswettbewerbe.
www.zli.ch
Auszeichnung
der besten Informatik-
Grundbildungsabsolventen 2007
Nachwuchs-Informatiker

Von Alfred Breu, Präsident Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik (ZLI)

Es ist kaum bekannt, dass rund 230'000 Personen oder 5.5% des Arbeitsmarktes im Berufsfeld Informatik ihr Auskommen finden. Gemeinsam erarbeiten sie 8% des Bruttosozialproduktes, ihre Wertschöpfung liegt bei 32.5 Milliarden Schweizer Franken. Erst seit 1994 gibt es eine Informatiklehre, 11'500 haben diese seither mit Erfolg abgeschlossen. Mit verschiedenen Anstrengungen versuchen die Lehrmeistervereinigungen mit SwissICT die Menge der Lehrstellen zu erhöhen und die Anerkennung der qualitativ hoch stehenden Grundbildung zu erreichen. Die erstmalige Prämierung der besten Abschlussarbeiten und Berufsmeisterschaften gehören zu diesen Massnahmen. Vor kurzem wurde die fünfte Schweizermeisterschaft durchgeführt und die Arbeiten prämiert.

Dramatischer Fachleutemangel

Für viele IT-fremde Berufsleute hört es sich völlig unglaubhaft an, wenn sie erfahren, dass eine Informatiklehre erst seit 1994 möglich ist und das als komplex eingestufte Berufsfeld weitgehend von Quereinsteigern getragen wird. Dies ist im Ausland nicht der Fall. Dort setzt man schon seit Jahrzehnten auf die Hochschulbildung, die je nach Land bereits in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts eingeführt wurde. Viele haben inzwischen auf sich aufmerksam gemacht. Sie verfügen über Topleute und diese arbeiten erst noch zu äusserst günstigen Konditionen. Das schafft dem Informatikstandort Schweiz starke Konkurrenz und bringt die hiesige Informatik-Industrie in Gefahr. Nur gerade 1'600 Lehrlinge im ganzen Land haben im August eine Lehre begonnen und keine 300 Studenten an allen Hochschulen ein Studium begonnen. Wenn man bedenkt, dass ihnen rund 4'000 Pensionierte gegenüber stehen, wird diese Situation noch dramatischer. Kein Wunder, dass sehr viele Informatiker/-innen aus dem Ausland rekrutiert werden. Allein im Kanton Zürich seien im Jahr 2007 1'700 Arbeitsbewilligungen an Inder erteilt worden, zitiert die NZZ die behördliche Auskunft.

Die Informatikverbände und die Lehrmeistervereinigungen wollen mit einer grossen Kampagne dafür sorgen, dass mehr Nachwuchs von IT-Berufsleuten generiert wird. Unterstützt durch die Image-Kampagne von Informatica 08 werben sie bei den Betrieben, den jährlich 5-prozentigen Berufsleuteverlust durch zukünftige entsprechende Menge an Lehrstellen zu kompensieren. Die Lehrabgänger/-innen sind danach die Studenten der Fachhochschulen, deren Bachelor-Abgänger so gesucht sind. Die Image-Kampagne wird hoffentlich auch dazu führen, dass wieder mehr Maturanden ein Informatikstudium aufnehmen. Das ist nötig, um den Informatik-Standort zu sichern. Von den grossen Arbeitgebern ist bekannt, dass sie lieber im Land entwickeln, als Projektaufträge in fremde Länder zu verschieben. Den Einsparungen, z.B. durch billigeres Programmieren stehen nämlich deutlich höhere Kosten für die genaue Vergabe und Abnahme gegenüber, wobei das Erfolgsrisiko um einiges höher ausfällt. Würde man die Leute finden, würden selbst die Grossbanken gut und gerne die Informatik hier behalten. Schweizer Qualität wäre ja ausgerechnet in der Informatik mehr als gefragt – man muss sie aber noch herbeiführen.

Auszeichnung der besten Informatik-Praxisarbeiten 2007

Der Abschluss der Informatik-Grundbildung beinhaltet eine 2-wöchige Praxisarbeit. Wo möglich, wird ein Kundenauftrag oder ein Projekt für die interne Weiterverwendung entsprechend umgesetzt und dokumentiert. Diese Arbeit wird vom Betrieb gestellt und bewertet und von Experten begleitet und benotet. In diesem Jahr haben nun SwissICT, i-ch und die Lehrmeistervereinigungen erstmals eine zusätzliche Beurteilung der kantonsbesten Arbeiten durch ein interkantonales Expertenteam durchgeführt. Je Einsatzschwerpunkt (Support, Systemtechnik und Applikationsentwicklung) wurden die 31 besten Arbeiten ermittelt und 7 davon prämiert. Die Rangverkündigung und Preisverteilung fand anlässlich der Schlussfeier der Schweizermeisterschaft der Informatikberufe an der Berufsmesse durch Stefan Arn, Präsident ICTswitzerland und Ugo Merkli von SwissICT/i-ch statt. Die 31 in der Schlussrunde eingebrachten Arbeiten sind auf dem Internet publiziert und können eingesehen werden (www.zli.ch/uploads/media/Beste-IPA-2007.pdf mit Link zu jeder Arbeit). Das Niveau der Arbeiten ist beachtlich und alle wurden mit Bestnoten ausgezeichnet. Die Verfasser können noch einige Zeit mit Stolz auf ihr Gesellenstück zeigen, ein guter Beweis ihrer Fähigkeiten und Kenntnisse beim Abschluss der Grundbildung. Solche Informatiker braucht das Land! Hier die Sieger:

Rang Name Kanton Betrieb /
Titel der Arbeit
Applikationsentwicklung
1 Peter Fabien Zürich Minerva/Stadt Zürich, Amt für Städtebau
1 Simonetti Dario Tessin Schindler elettronica SA, Locarno
Analizzatore di log files d'ascensori BIONIC
3 Brunner Ursin Zürich Volag System AG, Cazis
Zufallsdaten Generator
Systemtechnik
1 Cavelti Dean Zürich Stadtspital Waid, Zürich
Pilotinstallation "Spracherkennung in der Radiologie" inkl. Anwenderschulung
1 Probst Daniel Bern Die Mobiliar, Bern
MS-Patch-Info
3 Sottas Michele Aargau GIA Grapha-Informatik AG, Oftringen
Config- & Change-Management VMWare Server ESX 3.0
Support
1 Bodmer Roger Zürich Migros Genossenschafts Bund
(8-stündige Arbeit nach Vorgabe)

Die 7 in den Rängen prämierten erhielten von SwissICT/i-ch je einen Gutschein für ein verlängertes Wochenende im Engadin. Die Prämierung der besten Praxisarbeiten soll die einzelne gute Leistung würdigen und mithelfen, das Niveau der Informatik-Grundbildung fassbarer und bekannter zu machen. Sie wird einen guten Einfluss auf die Qualität der Grundbildung haben und vor allem auch dazu dienen, das Niveau der Ausbildung in den Kantonen auf hohem Stand zu nivellieren.

5. Schweizermeisterschaften der Informatikberufe

Im Rahmen der Berufsmesse Zürich wurde die 5. Schweizermeisterschaft der Informatikberufe durchgeführt. Ein seit 2006 jährlich durchgeführter Anlass. 48 junge Leute traten zum Wettbewerb an, leider diesmal nur eine Dame. In den Teilgebieten IT Software-Applikationen, Webdesign und Netzwerktechnik hatten sie während einem ganzen Tag im Messerummel relativ schwierige Aufgaben zu lösen. Es ist aus anderen Berufsfeldern längst bekannt, dass der Wettbewerb der Berufsmeisterschaften eine qualitätsfördernde Auswirkung auf die jungen Leute hat. Sie stellen sich im Wettbewerb und werden entsprechend den Leistungen ausgezeichnet. Bereits die Teilnahme an den Meisterschaften zeigt auf, dass die Nachwuchsleute offenbar Interesse bekunden und bereits eine Schulmeisterschaft gut abgeschlossen haben. Eine gute Platzierung zeichnet zusätzlich aus – sie zählen zu den besten Nachwuchsinformatikern des Landes. Anspornende Auswirkung hat dieser Wettbewerb auch auf die Berufsschulen, die aufgrund der Platzierung Rückschlüsse auf die Qualität des Unterrichts ziehen.

Hier die Erstrangierten

Trade 9, IT/Software Applikationen

Name

Vorname

Kanton

Berufsschule

Firma

Dörig

Martin

AG

Berufsfachschule BBB Baden

Protecdata AG Boswil

Gribi

Roman

AG

Berufsfachschule BBB Baden

INGTES AG Aarau

Singy

Patrice

AG

Berufsfachschule BBB Baden

Steueramt Kanton Aargau

Trade 17, Webdesign

Name

Vorname

Kanton

Berufsschule

Firma

Vogler

Fabian

ZH

Technische Berufsschule  Zürich

OIZ, Stadt Zürich

Rebsamen

Philipp

BE

gibb IET Bern

VBS Bern

Zahnd

Patrick

BE

BBZ Biel

Three Way AG, Windisch

Trade 39, Netzwerktechnik

Name

Vorname

Kanton

Berufsschule

Firma

Schmid

Michael

ZH

Technische Berufsschule  Zürich

Siemens Schweiz AG Zürich

Meier

Florian

ZH

Technische Berufsschule Zürich

MTF Schaffhausen

Gebhardt

Silvan

TG

BBW Winterthur

Kaden und Partner AG Frauenfeld



Die ersten beiden Rangierten werden zusammen mit den Schweizermeisterschafts-Rangierten aus 2008 die „Nationalmannschaft“ bilden, aus denen je Trade eine Person an die Weltmeisterschaft 2009 nach Calgary gehen darf. Die drei WM-Kandidaten werden dann entsprechend gut vorbereitet. Auch dort möchten wir schlussendlich Medaillen sehen…

>>"Informatikfachleute: Die Schere öffnet sich " Von Alfred Breu, Präsident ZLI und Barbara Schiesser, Geschäftsleiterin, SwissICT (Juli 07)


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