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Suchwörter: "oder" "und" Ausgabe 03/2006

Portrait Christoph Hugenschmidt
Autor:
Christoph Hugenschmidt gilt als einer der bekannten, auf die Schweizer IT-Branche spezialisierten Journalisten. Er baute das Branchenmagazin 'IT Reseller' auf und betreibt heute zusammen mit Kollegen das Informationsportal www.inside-it.ch.

Inside-it.ch publiziert täglich und kostenlos Insider-Nachrichten aus und für Anwender und Anbieter aus der Schweizer IT-Szene.

"Miese Zeiten im Schweizer PC-Markt" Vishing - eine neue Gefahr?

Computer-Hersteller, Distributoren und vor allem auch Händler stöhnen: "So ein mieses Quartal gab es seit Menschengedenken nicht mehr". Tatsächlich: Im zweiten Quartal brach der PC-Markt in der Schweiz trotz guter bis sehr guter Konjunktur um ein volles Fünftel ein. Symptome eines gesättigten Marktes.

Das PC-Geschäft wächst und wächst. In noch wenig erschlossenen Märkten wie China, Indien aber auch vielen Ländern Osteuropas warten noch Millionen von Menschen auf ihren ersten PC und sind gespannt auf die Entdeckung der wunderbaren Welt des Internets. Einzig in der Schweiz will der Markt nicht so recht. Schlimmer noch: Der Absatz von PCs und Notebooks ist im zweiten Quartal regelrecht eingebrochen. Die Folge: Die Lager der Hersteller und Distributoren quellen just im falschen Moment - kurz vor der Lancierung von neuen Prozessoren-Generationen - über.

Gemäss detaillierten Zahlen des Marktforschers IDC nahm der Absatz von PCs (in Stückzahlen) in der Schweiz um 20 Prozent ab und selbst Notebooks gingen weniger über den Ladentisch als noch vor einem Jahr. Berücksichtigt man den Preiszerfall, so war der Einbruch gar noch gravierender.

Strukturelle Gründe und Häufung von Zufällen

Koppelt sich der PC-Markt damit von der Konjunkturentwicklung ab? Wer diese Frage beantworten will, muss genauer hinschauen. Einerseits gibt es tatsächlich strukturelle Gründe für die unerwartete Krise des Schweizer PC-Business. Bei uns kommen auf 100 EinwohnerInnen 74,2 PCs, schon im benachbarten Deutschland sind es nur 48,5 und selbst im reichen Norwegen nur 52,8. Der Markt ist also gesättigt - wer jetzt noch keinen eigenen PC hat, will möglicherweise nie mehr einen.

Doch Herr und Frau Schweizer und noch mehr hiesige Grossfirmen ersetzen ihre PCs und Notebooks auch besonders häufig. Die Marktsättigung kann also nicht der einzige Grund sein. Tatsächlich: Angekündigte massive Preissenkungen bei den wichtigsten Komponenten, den Prozessoren, lassen viele Kunden mit dem Kauf zuwarten. Und Grossfirmen warten teilweise auch auf die nächste Generation des Betriebssystems Windows Vista. Und dann scheint die Fussball-WM noch mitgespielt zu haben. Man hat sich einen Flachbildschirm zugelegt und verschiebt den Kauf des neuen PCs auf nächstes Jahr...

Sind Online-Shops tatsächlich viel billiger als die Flächenmärkte?

Viel Aufregung produzierten wir mit unserem Titel: "Wer bei Media Markt & Co einkauft, ist blöd". Der Preisvergleichsdienst Comparis hat eine neue Dienstleistung eingeführt und mit viel PR garniert. Neu kann man auf dem Handy gleich online die Preise von Unterhaltungselektronik vergleichen. Comparis behauptete keck, dass Online-Shops im Durchschnitt gar 30% günstiger seien, als die Flächenmärkte, eine Geschichte, die wir gerne aufgriffen.

Doch die Sache hat einen Haken: Die extremen Preisunterschiede gibt es vor allem für Produkte, für die ein Graumarkt existiert. Nicht alle Hersteller haben eine konsistente Preispolitik in Europa und clevere Online-Shops kaufen ihre Ware auch mal in Belgien ein, wenn sie dort gerade günstiger sind. Bei Produkten von Herstellern, die europaweit zu einheitlichen Preisen verkaufen, sind die Unterschiede geringer.

Dazu kommt, dass Online-Läden häufig nichts anderes sind, als eine Art Schaufenster im Internet. Sie haben kein Lager und keine eigene Logistik. Selbst die Daten übernehmen sie automatisiert von Grosshändlern, die für sie auch gleich die Rechnung schreiben, das Päckli schnüren und den Transport zum Kunden besorgen. Logisch, dass ohne Miete und mit viel weniger MitarbeiterInnen tiefere Preise als in einer Ladenkette möglich sind. Doch Produkte anschauen, berühren und mit einem (vielleicht) versierten Verkäufer sprechen, kann man halt doch nur im Ladengeschäft.

Ein neues, böses Wort: "Vishing"

Das Internet ist ein Wunderding - neue Geschäftsmodelle wie eben Online-Shops sind möglich, aber auch ganze neue Formen des Verbrechens. Zum Beispiel "Vishing". Das geht so: Der "Visher" richtet auf seinem PC oder seiner Serverfarm eine Internet-Telefonie-Anlage auf. Unter falschem Namen bestellt er einen (oder viele) Anschlüsse bei einem Internet-Telefonie-Anbieter und programmiert seinen PC so, dass dieser automatisch hunderttausende von Nummern "durchprobiert". Nimmt jemand ab, dann ertönt eine Tonbandansage, die Bank xy habe betrügerische Aktivitäten mit der Kreditkartennummer des Angerufenen entdeckt. Man solle doch bitte bei der Nummer yz anrufen. Dort nimmt dann wieder ein Telefonroboter ab, der freundlich bestätigt, man sei bei der Kreditkarten-Verifikation der Bank xy angekommen und solle jetzt bitte seine CC-Nummer eingeben. Damit hat der Betrüger alle Angaben, die er braucht: Name, Adresse, Kreditkartennummer und Telefonnummer.

Die Masche funktioniert, weil sich Internet-Telefonie praktisch beliebig automatisieren und sich die Identität des Anrufers über Internet leicht verschleiern lässt. Wenn man sich zudem die Dienste eines Internet-Telefonie-Anbieters erschleicht, ist die Kommunikation auch noch gratis. Und ein Roboter wird bekanntlich nicht müde - auch wenn Frau Meier erst beim zwölften Versuch zu Hause sein sein sollte.

 

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