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In Kooperation mit 
Von Daniel Meierhans, freier Journalist
Elektronische Handelssysteme, aber auch serviceorientierte Architekturen sind empfindlich
für Performance-Flaschenhälse. In Millisekunden können Millionen gewonnen oder verloren
werden. Start-ups bringen jetzt das Performance Management auf die Applikationsebene.
«Wenn alle über die gleichen Informationen verfügen, ist es entscheidend,
der Erste zu sein, sobald sich der Markt bewegt», Alistair
Brown von der New Yorker Lime Brokerage bringt es im «Wall
Street Journal» auf den Punkt. Ein Handelssystem, das um eine
Millisekunde schneller als die Konkurrenz ist, kann über das Jahr
gesehen für einen Broker bis zu 100 Millionen Franken an Mehreinnahmen
einspielen. Kein Wunder also, dass derzeit Business
Transaction Management (BTM) zu den ganz heissen Technologiethemen
zählt. Denn nicht nur im elektronischen Börsenhandel
wird die Performance immer mehr zu einem entscheidenden
Differenzierungsfaktor. Auch in serviceorientierten Architekturen
(SOA) entstehen immer wieder a priori nicht vorhersehbare Flaschenhälse.
Diese sind vor allem in Systemen mit Kundeninteraktion
wie dem Online Banking und für zeitkritische interne Applikationen
problematisch. Um die geforderten Service Level
angesichts ständig steigender Transaktionsvolumen einhalten zu
können, brauchen Unternehmen Instrumente, die entstehende
Engpässe auf der Anwendungsebene und im Geschäftskontext
frühzeitig erkennen und proaktiv verhindern.
Unübersichtlichkeit auf allen Ebenen
Die Aktualität eines Technologiethemas lässt sich am besten an
der Anzahl von Start-ups ablesen, die sich das Akronym auf die
Fahne schreiben, und an der Anzahl von entsprechenden Übernahmen
durch die arrivierten Anbieter. Aber auch die Flut der Begriffe,
die das Gleiche beschreiben, ist ein sicheres Zeichen für
einen kommenden Trend. Im Falle des Business Transaction Managements
drängen derzeit rund zwei Dutzend Technologieinnovatoren
auf den Markt: Optier, Correlix, Dynatrace, Correlsense,
Insightix, Indicative Software, RealOps und B-hive Networks sind
einige der – wie seit der New Economy-Blase gewohnt – wenig
einprägsamen Namen.
Auf der Kaufseite sind in den letzten Jahren praktisch alle arrivierten
Anbieter aktiv geworden: EMC hat sich nLayer einverleibt,
IBM Cyena Systems, BMC Identify Software, Opsware iConclude,
CA Wily, HP Bristol Technology und Oracle Moniforce. Die
Begrifflichkeit irrlichtert derweil von Transaction und Enterprise
Application über Application Performance bis zu Business Transaction
respektive Business Service Management.
Die Anwenderunternehmen stellt dieser unübersichtliche Markt
vor schwierige Technologieentscheidungen, zumal wenn es um
Millisekunden geht, auch eine nur leicht bessere Applikation den
ausschlaggebenden Unterschied machen kann. Erschwert wird
der Entscheid durch die Tatsache, dass derzeit mehrere unterschiedliche
Technologieansätze für sich in Anspruch nehmen, die
Herausforderung am besten zu lösen.
Ein Report der amerikanischen IT- Marktforschungsfirma IDC
unter dem Titel «Business Transaction Management: Another
Step in the Evolution of IT Management» teilt die Technologien
grob in zwei Kategorien ein: agentenbasierte Systeme und solche,
die netzwerkzentriert und damit ohne die Installation von
Agenten arbeiten. Dazu kommen aber auch Mischformen der
zwei Technologien.
Mit oder ohne Agenten
Zu den typischen Beispielen von BTM-Systemen,
die ohne
Agenten arbeiten, gehört das Produkt des israelischen Start-ups
Correlix. Es wird in Form einer Netzwerk-Appliance installiert,
die den rohen Datenverkehr analysiert und dabei die einzelnen
Transaktionen identifiziert. Correlix bedient sich dazu Algorithmen,
die in der Bioinformatik
zum Vergleich von sehr ähnlichen
Erbsubstanzmolekülen entwickelt wurden. Der Vorteil der Lösung
liegt zum einen in der relativ schnellen Implementierung.
Da die Technologie grundsätzlich jede Form von Daten gleich
gut erkennen kann, macht es zudem auch keinen Unterschied,
ob sie in einer sehr heterogenen oder in einer eher homogenen
Umgebung eingesetzt wird. Die Appliance muss den Protokolltyp
einer Transaktion nicht einmal vorgängig kennen. Laut
IDC eignen sich solche Systeme vor allem, um breite Performanceanalysen
über viele Applikationen oder Infrastrukturebenen
zu machen.
Demgegenüber versprechen agentenbasierte Systeme genauere
Messwerte. IDC sieht sie denn auch als die bevorzugten
Tools, wenn es gilt, in besonders kritischen Bereichen dynamisch
Ressourcen zuzuordnen. Diesen Ansatz verfolgt die bereits 2002
gegründete Optier. Ihr vor knapp drei Jahren lanciertes Produkt
CoreFirst plaziert auf allen Ebenen einer IT-Umgebung Agenten,
die automatisch den Datenfluss verfolgen und analysieren. Durch
ein Topologie-Mapping kann der Geschäftskontext mit den unterliegenden
IT- Komponenten in Verbindung gebracht werden.
Kritische Transaktionen lassen sich danach mittels definierter
Regeln priorisieren.
Näher an die Geschäftsprozesse
Laut IDC muss eine BTM-Lösung unabhängig vom Technologieansatz
fünf Grundanforderungen erfüllen: komplette End-to-
End-Visibilität, Plattformunabhängigkeit, Echtzeit-Monitoring, historische
Analysefähigkeit und Skalierbarkeit. Dazu kommt je
nach Anwendungsfall die Möglichkeit, Probleme schon zu erkennen,
bevor sie einen Geschäftsprozess beeinträchtigen und beispielsweise
über Regeln bestimmte, geschäftskritische Transaktionen
bevorzugt zu behandeln.
Die Auseinandersetzung mit dem Thema BTM dürfte für ITVerantwortliche
von Finanzinstituten in den nächsten Jahren
unausweichlich sein. Dafür wird nur schon das Marketing der
Herstellerfirmen sorgen, denn BTM wird laut IDC zu einem Kernangebot
aller IT- Management-Anbieter. Je mehr sich serviceorientierte
Architekturen in den Datenzentren ausbreiten, umso
dringender werden Technologien benötigt, welche die immer
komplexer werdende Vernetzung der Geschäftsprozesse mit allen
möglichen Systemen und Technologieebenen sichtbar machen.
Im analytischen Teil dieses Konzepts dürften zudem auch
schon bald die Business Intelligence-Anbieter aktiv werden, prophezeit
IDC.
Kommentar von Marcel Altherr, CEO, Meta versum AG:
IT does matter

Sie kennen den Slogan «Vorsprung durch Technik» einer deutschen Automarke. Die Firma verwendete den einprägsamen Satz zum ersten Mal 1971 für den mit einem Wankelmotor angetriebenen NSU Ro80. Mit der Behauptung, dass eine spezifische Technik, die IT, den Unternehmen eben keinen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil ermöglichen könne, machte sich im Frühling 2003 der Journalist Nicolas Carr in einem vielbeachteten Aufsatz mit dem Titel «IT doesn’t matter» der Harvard Business Review keine neuen Freunde in der IT-Industrie. Alle Unternehmen, so sein Argument, würden in ähnliche Lösungen investieren, IT sei lediglich eine strategische Notwendigkeit – wer sie nicht hat, hat einen Nachteil –, böte aber keinerlei genuine Möglichkeiten, sich einen dauerhaften Vorteil gegenüber der Konkurrenz zu verschaffen. Dieser entstehe nur dadurch, dass ein Unternehmen etwas anders und besser macht als andere. Die Behauptung Carrs war nicht neu, aber die Diskussion, ob es einen empirisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen den Investitionen in IT und den zentralen Unternehmenskennzahlen gibt, wurde neu lanciert. Die IT fühlte sich in der Ehre gekränkt und zahlreiche Publikationen erschienen. Die Diskussion ist mitnichten abgeschlossen, eine Erkenntnis aber scheint sich durchzusetzen: IT-Investitionen haben tatsächlich nur einen vergleichsweise mässig nachhaltigen Effekt und der zeigt sich nur, wenn die Einführung neuer IT-Lösungen auch von organisatorischen Veränderungen begleitet wird und da liegt ein Kernproblem: Neue Software kaufen ist eines, organisatorische und prozessuale Veränderungen in Unternehmen durchzuführen ist dagegen ungleich schwieriger. Manchmal – ganz selten – aber reicht die Technologie alleine: Wenn, wie im Artikel von Daniel Meierhans beschrieben, ein Handelssystem ein paar Milllisekunden schneller arbeitet als die Computer der Konkurrenz
und dies in einem Jahr bis zu 100 Millionen Franken an Mehreinnahmen generiert, dann braucht es auch nicht mehr, um einen Vorsprung durch Technologie zu begründen. Dem Wankelmotor des NSU Ro80 war auch keine nachhaltige Zukunft beschieden, aber Audi ist heute eine Weltmarke.
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Von Gérard Al-Fil, Finanz Journalist, Dubai Media City (April 08)
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