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Von Nadine Eberle, Associate, Goldwyn Partners Group AG
Sich Lampenfieber erfolgreich zu Nutze machen
Nicht schon wieder! Himmel noch mal, ich komme mir vor wie bei meinem ersten Vortrag in der Primarschule. Ich spüre, wie sich die Hitze von meinem Bauch aus ausbreitet und mir langsam zu Kopf steigt. Mit meinen gleichzeitig kalten Händen versuche ich, die glühenden Backen zu kühlen, wohlwissend, dass es nichts nützen wird. Tut es schliesslich nie. Ich brauche auch nicht in den Spiegel zu sehen um zu wissen, dass mein Hals ausschaut wie bei einem Obstallergiker nach einem Fruchtsalat: Gänzlich mit roten Flecken übersät. So kann ich mich doch unmöglich gleich bei meinem Vorstellungsgespräch präsentieren, die schicken mich doch gleich wieder nach Hause! Aber ich will diesen Job unbedingt, es nützt nichts, ich muss da jetzt hinein, Nervosität hin oder her. Ich schliesse die Augen, drücke die Klinke nach unten und öffne die Eingangstür des Bürogebäudes.
Nervosität: Ein Urinstinkt
Im Grunde genommen ist oben genannte Nervosität nichts anderes als die Reaktion auf eine unbekannte Situation: Man fühlt sich bedroht und will sich durch Flucht schützen. Deshalb schüttet der Körper Adrenalin aus, welches wiederum Unruhe auslöst oder anders gesprochen den Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Die so erzeugte Energie kann sich nun über verschiedene Ventile entladen: Von den zittrigen Händen über eine belegte Stimme bis hin zum Rot werden. Da diese Symptome nun aber in der Nervosität und somit in einer natürlichen Reaktion ihren Ursprung haben, können sie nicht so leicht unterdrückt oder überwunden werden. Das heisst nun aber nicht, dass wir unserem Körper in solchen Situationen hilflos ausgeliefert sind. Untenstehende Tipps und Kniffe sollen helfen, der Nervosität entgegen zu wirken.
Nervosität entgegenwirken:
- Sich intensiv auf die Situation vorbereiten:
Je sicherer man sich fühlt und je mehr man mit etwas vertraut ist, desto weniger nervös ist man. Das heisst, stellen Sie sich die Situation vor oder spielen Sie diese zu Hause durch. Simulieren Sie dabei auch kleinere Pannen oder (unangenehme) Gegenfragen und berücksichtigen Sie den Zeitfaktor, insbesondere bei Präsentationen. So können Sie sich im Voraus entsprechende Reaktionen und Antworten überlegen.
- Dem Urinstinkt nachgeben:
Erlauben Sie dem Körper die überschüssige Energie freizusetzen und bewegen sich ein wenig. Machen Sie sich bewusst, dass die Nervosität und allfällig aufkommende Selbstzweifel durch körpereigenes Adrenalin verursacht werden und nicht etwa durch Inkompetenz oder Ähnliches.
- Die Nervosität zulassen:
Es ist ganz normal nervös zu sein, auch Ihr Gegenüber weiss das. Nervosität hat auch ihr Gutes, weil man in diesem Zustand hochkonzentriert und hellwach ist. Vor allem bei Referaten können Sie sich dies zu nutze machen: Es gibt nichts Schlimmeres als einen routinierten und gelangweilten Redner. Versuchen Sie nicht, Ihre Nervosität zu überspielen, dies vermittelt nicht nur einen falschen Eindruck, sondern zeigt auch wie Sie in schwierigen Situationen reagieren. Gestehen Sie sich zu, nicht perfekt sein zu müssen und machen Sie sich bewusst, dass Ihr Gegenüber dies auch nicht von Ihnen erwartet.
- Sich aktiv beruhigen:
Nutzen Sie beispielsweise den Hinweg, um sich auf die Situation einzustimmen. Planen Sie genug Zeit ein, um nicht auch noch hetzen zu müssen.
Atmen Sie bewusst langsam ein und aus, gehen Sie ein wenig umher und sehen Sie sich ein wenig um. Lenken Sie sich ab, damit Sie sich nicht mit allen möglichen Gedanken verrückt machen können. Sie können auch telefonieren oder sich sonst mit jemandem unterhalten, um nicht den eigenen negativen Gedanken ausgeliefert zu sein. Reden Sie sich innerlich gut zu.
- Ruhe ausstrahlen:
Achten Sie bewusst auf Ihre Körperhaltung und vermeiden Sie körperliche Anspannung indem Sie sich stabil aber bequem hinsetzen. Lassen Sie beide Füsse am Boden um sich sicherer zu fühlen und behalten Sie eine gleichmässige Atmung bei. Hören Sie Ihrem Gegenüber aufmerksam zu und antworten Sie langsam, wobei Sie hektische und fahrige Bewegungen vermeiden sollten.
- Die Flucht nach vorn:
Wenn Sie trotzdem sehr nervös sind und sich dies auch in körperlichen Symptomen niederschlägt, machen Sie einen Schritt vorwärts und informieren Sie Ihr Gegenüber darüber. Durch das Ansprechen lassen sich viel Druck und Anspannung abbauen.
- Künstlich Nervosität erzeugen:
Sie können auch versuchen, sich auszutricksen, indem Sie sich dazu zwingen, bestimmte Symptome der Nervosität zu zeigen. Wenn Ihre Hände beispielsweise stark zittern, konzentrieren Sie sich darauf dieses Zittern bewusst auszuführen. Sie werden feststellen, dass es dann verschwindet.
- Im Falle eines Patzers:
Haben Sie trotzdem ein Blackout: Trauen Sie sich, dies anzusprechen: „Es tut mir Leid, ich bin im Moment noch so aufgeregt, dass ich einfach Nichts dazu sagen kann.“ Bitte Sie um eine kurze Pause, trinken Sie einen Schluck Wasser und kommen Sie zur Ruhe.
- Sich Zeit lassen:
Fällt Ihnen eine Antwort nicht sogleich ein, können Sie um die Wiederholung der Frage bitten oder diese selbst wiederholen. So können Sie sich etwas Zeit beschaffen, um sich eine Antwort zu überlegen.
- Weichen Sie nicht auf Alkohol oder Beruhigungstabletten aus. Beides dämpft Ihre Sinne und unterdrückt Ihre wahre Persönlichkeit.
- Positive Ziele formulieren:
Wir stellen uns die Handlungen, welche wir im Begriff sind auszuführen, jeweils vorher bildlich vor. Da man Verneinungen aber nicht bildlich darstellen kann, sollte man sich die Situation immer mit dem gewünschten und nicht mit dem befürchteten Ausgang vorstellen. Sie können sich auch bewusst machen, was im schlimmsten Fall passieren könnten und sich ein allfälliges Versagen eingestehen. Dies hilft ebenfalls, dem eigenen Erwartungsdruck entgegen zu wirken.
Die Nervosität überwinden
Es gibt also einige Tricks mit denen man gegen die eigene Nervosität angehen kann. Wenn Sie sich also gut vorbereiten, sich eingestehen und akzeptieren, dass Sie nervös sind und auch nervös sein dürfen, können Sie je nach Situation eine geeignete Gegenmassnahme ergreifen. Sei dies nun, indem Sie die Nervosität offen ansprechen, sich selbst aktiv versuchen zu beruhigen, sich Zeit zu lassen, den Körper entweder von der überflüssigen Energie durch Bewegung zu befreien oder durch den Befehl an sich selbst, das körperliche Symptom auszuführen und es dadurch zu verhindern. Machen Sie sich auf jeden Fall klar, dass es ganz natürlich ist, nervös zu sein. Schliesslich können Sie ja auch nicht wissen, wie nervös unter Umständen Ihr Gegenüber ist. Waren wirklich Ihre Hände Grund für den feuchten Händedruck? Und ist das nicht ein leichter Anflug von Rot auf den Wangen des Gesprächspartners? Schliesslich ist niemand vor Nervosität oder Lampenfieber gefeit, wie das Zitat von Mark Twain deutlicht mach:
"Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom Moment der Geburt an bis zum Zeitpunkt, wo du aufstehst eine Rede zu halten." Mark Twain, amerik. Schriftsteller, 1835-1910)
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