|
Dr. oec. publ. lic. phil. Ursin Bernard, Inhouse-Consultant und Dozent an der Universität Zürich"
Die Krise am US-Hypothekenmarkt dehnt sich aus. Die Finanzmärkte geraten ins Trudeln. Banken müssen Verluste ausweisen und sind knapp an liquiden Mitteln. Trotzdem werden beträchtliche Bonuszahlungen ausgeschüttet. Wie das?
Das Rezessionsgespenst geht um. Während sich die US-Notenbank Fed noch um das gefürchtete R-Wort drückt, zeichnen zahlreiche andere Auguren bereits pessimistische Szenarien. Eine Umfrage des "Wall Street Journals" bei führenden Ökonomen zeigte, dass fast 40 Prozent mit einer Rezession rechnen. Während ursprünglich vor allem der Kreditmarkt betroffen war, deuten verschiedene andere Indikatoren mittlerweile ein Übergreifen auf die Gesamtwirtschaft an. So steht das US-Konsumentenvertrauen auf einem der tiefsten Werte seit vielen Jahren, weshalb auch andere Wirtschaftsbereiche wie zum Beispiel die Automobilbranche mit einer Verlangsamung rechnen. Dass eine solche Abkühlung der wichtigsten Weltwirtschaft nicht spurlos an Europa vorbeigeht, ist abzusehen. Vielerorts besteht die Hoffnung, dass die boomenden Märkte im Osten den Einfluss der amerikanischen Abkühlung abschwächen. Trotzdem korrigierte die EU-Kommission kürzlich ihre Wachstumsprognose in den 27 Mitgliedsstaaten auf 2.0 Prozent und für den Euro-Raum auf 1.8 Prozent.
90 Prozent weniger Lohn
Besonders stark durch die Kreditkrise betroffen waren die Banken. Das 4. Quartal 2007 geht als eines der schlechtesten Quartale in die Geschichte ein. Allein die vier US-Banken Citigroup, Bear Stearns, Morgan Stanley und Merrill Lynch mussten über USD 35 Milliarden Verlust in diesen drei Monaten verbuchen. In der Schweiz erregte die UBS aufsehen, als sie den ersten Jahresverlust ihrer Geschichte vermelden mussten. CHF 4.4 Mrd. betrug das Minus für das Jahr 2007 und sogar CHF 12 Mrd. für das erste Quartal 2008. Angesichts dieser Zahlen rechnete manch einer, dass auch die Bonuszahlungen für Bankmitarbeiter massiv reduziert würden. Dies traf im Fall vom abtretenden Verwaltungsratspräsidenten Marcel Ospel auch zu. Sein Salär reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 90 Prozent und beträgt noch CHF 2.56 Millionen, welche sich aus dem Basislohn, Sachleistungen und Beiträgen an die Vorsorgeeinrichtungen zusammensetzen. In dieser Auflistung fehlt der sonst übliche Bonusanteil, auf welchen alle drei vollamtlichen Verwaltungsratmitglieder der UBS verzichten. Die Vergütung für den ganzen UBS Verwaltungsrat betrug 2007 gerade mal CHF 11.5 Millionen. Dies ist nur ein Bruchteil verglichen mit den CHF 26.6 Millionen die Marcel Ospel allein im Jahr 2006 bezogen hat. Auch bei der Credit Suisse verdienten die Konzernleitungsmitglieder im Durchschnitt fast einen Drittel weniger.
Umworbene Kundenberater
Es macht also auf den ersten Blick den Anschein, dass die Kreditkrise auch in der Schweiz einen nachhaltigen Einfluss auf die Löhne der Bankmitarbeitenden hätte. Dies trifft jedoch nur auf die Vergütung der obersten Führungsgremien zu. Durch den Verzicht auf ihren Bonus übernehmen sie die Verantwortung für die gegenüber dem Vorjahr verschlechterten Ergebnisse der Gesamtbank. Zu einem gewissen Grad dürfte auch die gesteigerte Sensibilität der Öffentlichkeit und – fast wichtiger – der Aktionäre zu diesem Schritt bewogen haben. Die Resultate der verschiedenen Geschäftsbereiche der Banken fielen 2007 sehr unterschiedlich aus. Während das Investment Banking der meisten Banken deutliche Rückgänge oder gar Verluste zu verzeichnen hatte, erwiesen sich die Erträge im Private Banking als wesentlich konstanter und nachhaltiger. Das Global Wealth Management und Business Banking der UBS erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Rekordgewinn vor Steuern von CHF 9.48 Mrd., ein Anstieg um rund 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und dies bei einem Neugeldzufluss in der Höhe von CHF 156.3 Mrd.. Angesichts dieser guten Resultate erwarteten die Mitarbeitenden im Private Banking auch entsprechende Bonuszahlungen. Während im Fall der Credit Suisse die Finanzierung der Bonusleistungen bei einem Jahresgewinn von CHF 7.76 Mrd. unproblematisch war, war die Auszahlung für die UBS nach dem Verlust von CHF 4.4 Mrd. deutlich schmerzhafter. Trotz der angespannten Liquiditätssituation des Gesamtunternehmens verzichtete die UBS jedoch in vielen Bereichen auf eine deutliche Reduktion der Bonuszahlungen. Der Grund hierfür liegt primär in der angespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt für Privatkundenberater und erfahrene Fachspezialisten. Die UBS konnte es sich schlicht nicht leisten, ihren erfolgreichen Private Bankern und Fachspezialisten stark reduzierte Bonuszahlungen zu gewähren. Sie hatte wenig Spielraum nach unten, da die Konkurrenz bereits mit attraktiven Angeboten an der Seitenlinie bereit gestanden hätte. Gerade im personenbezogenen Private Banking ist der Verlust von Kundenberatern häufig auch mit einem Verlust an Vermögenswerten verbunden. In den vergangenen Jahren konnte deshalb der Trend beobachtet werden, dass die Banken sich gegenseitig Kundenberater mit monetären Anreizen aktiv abgeworben haben. Für Aufsehen sorgten insbesondere die Wechsel von Beraterteams ganzer Regionen. Dieses gegenseitige Abwerben setzte eine teure Preisspirale in Gang.
Deutliche Unterschiede
Dass Kundenberater für Banken eine knappe Ressource sind, ist auch an der Investor Relations-Berichterstattung der Credit Suisse zum Jahresergebnis 2007 zu erkennen. Die Bank kommunizierte die Kennzahl "Anzahl Kundenberater" prominent eingebetet zwischen dem Vorsteuergewinn und den Netto-Umsätzen. Für die nächsten drei Jahre wird eine Steigerung um rund 30 Prozent avisiert, was rund 330 Personen pro Jahr entspricht. Vor diesem Hintergrund erstaunt es deshalb wenig, wenn in der Schweizer Bankenszene trotz verschlechterten Jahresergebnissen grosszügige Boni ausbezahlt wurden. Bei einer anhaltend schlechten Entwicklung der Finanzmärkte in der Zukunft würde der Druck auf die Saläre zuerst in einzelnen Mitarbeitergruppen einsetzen: Im Investment Banking und Asset Management, wo traditionell eine höhere Variabilität herrscht, und wo die Erträge häufig weniger stabil sind. So fliessen im Investment Banking rund 50 Prozent der Umsätze in Gehälter und Boni. Ausserdem werden Mitarbeitergruppen mit einer zunehmenden Distanz von der Verkaufsfront oder mit abnehmendem Spezialisten-Know-how einen negativen Lohndruck verspüren. Ihr Einfluss auf die kurzfristige Ertragslage ist deutlich geringer, weshalb in diesen Bereichen in weniger guten Jahren deutlich stärker gespart wird. Ein weiterer Trend wird sein, dass die Bonuszahlungen vermehrt in Mitarbeiteraktien statt bar ausbezahlt werden. Dies hat mit der Schonung der zur Zeit selten kostbaren Liquidität und der erhöhten Mitarbeiterbindung gleich zweierlei Vorteile.
Wie in anderen Märkten spielt auch im aktuellen Personalmarkt für Bankmitarbeiter das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Da kann die hohe Nachfrage schon mal den Einfluss eines verschlechterten Gesamtergebnisses überwiegen, solange es die Liquiditätssituation der Unternehmen zulässt.
HINWEIS: Der oben stehende Inhalt wird vom Autor zur Verfügung gestellt. Dieser Artikel basiert auf der Meinung und Darstellung des Autors und spiegelt nicht grundsätzlich die Meinung des Seitenbetreibers Firma Goldwyn Partners Group AG wieder. Für Zusatzinformationen zum Artikel wenden Sie sich bitte direkt an den Autor.
|