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Suchwörter: "oder" "und" Ausgabe 05/2007

Portrait Nadine Eberle
Autorin:
Nadine Eberle
cand.lic.phil., Associate der Goldwyn Partners Group AG
Mann und Krawatte:
Die Sprache der Krawatte und ihre Konventionen
Krawatte - die Kombination ist wichtig

Wieso es eine Rolle spielt, welche Krawatte Mann trägt und warum sie überhaupt getragen wird.

Haben Sie sich auch schon gefragt, wieso Sie sich das Tragen einer Krawatte eigentlich tagtäglich antun und wieso Sie das überhaupt müssen? Denn man kann weder von der Krawatte behaupten, sie sei überaus funktional noch ungefährlich: Suppe essen mit Krawatte muss erst gelernt sein. Zudem gibt es nichts Peinlicheres als einen Fleck auf derselbigen (nebst einem offenen Hosenschlitz). Auch bedenke man(n) die Schauergeschichten mit Aktenvernichtern oder ähnlichen Bürogeräten, welche das Schmuckstück Krawatte schnell zur todbringenden Schlinge werden lassen. Des Weiteren sollen gemäss einer Studie 80% der Krawattenträger ihren Knoten zu eng tragen, was zu einem Druck der Schlinge auf die Halsschlagader führt und entsprechend zu einem Sauerstoffmangel im Gehirn. Das wiederum beeinflusst unter anderem die Leistungsfähigkeit negativ. Was treibt also (vorwiegend) die Herren der Schöpfung dazu, sich solch ein unnützes und potenziell gefährliches Ding jeden Tag aufs Neue umzubinden? Und das, obwohl sich das männliche Geschlecht doch ansonsten mit ihrer Sachlichkeit brüstet und für Frauen mit ihren unnötigen Accessoires nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben?

Wie alles begann

Die Geschichte der Krawatte hat ihren Ursprung bereits bei den alten Ägyptern, welche ein geknotetes Tuch als Halsschmuck zu tragen pflegten. Die grosse Verbreitung der Krawatte heutzutage ist allerdings Sonnenkönig Ludwig XIV zu verdanken. Dieser führte den Körperschmuck, den er bei einer Parade an kroatischen Reitern entdeckte, alsbald als Zeichen des Adels ein und machte sich somit zum Ahnherren der Krawatte. Das Wort Krawatte entwickelte sich entsprechend aus dem kroatischen Wort für Kroate “Hrvat“, welches von den Franzosen mangels Zungenfertigkeit zu “crvat“ und noch kehlenschonender zu “cravat“ weiterentwickelt wurde. Dies war der Startschuss für den Siegeszug der Krawatte um die Kehlen dieser Welt.

Die hohe Kunst der Krawattologie und Krawattenpsychologie

Auch heutzutage wird die Krawatte, mittlerweile in vielen Farben und Materialien (von Stoffen über Holz bis hin zu Glas) erhältlich, vorwiegend an formellen und feierlichen Anlässen vom männlichen Geschlecht getragen. Sie dient unter anderem dazu, aufgrund ihres spezifischen Musters den Träger bestimmten Clubs, Schulen, Regimentern etc. zuordnen zu können. Neben dieser praktischen Funktion von Mustern und Farben kommen diesem Aspekt der Krawatte auch weitere, eher zwischenmenschliche Funktionen zu. Gemäss der Krawattologie lässt sich der Träger einer Krawatte aufgrund dieser bestimmten Typen zuordnen: So lassen sich Selbstbewusste mit ihren dezenten Mustern und klassischen Stoffen von Snobs mit Krawatten, die hauptsächlich teuer und exotisch sein müssen, unterscheiden (wenn Sie wissen möchten, welchem Krawatten-Typ Sie oder Ihr Chef angehören: www.krawattenknoten.info/krawatten/Krawattenknoten/krawattologie.html).
Unabhängig von dieser eher spezifischen Lehre über die Krawatte lassen sich auch mittels allgemeiner Farbpsychologie einige interessante Überlegungen anstellen: Wer beispielsweise nicht unbedingt als mystisch, spirituell oder gar verträumt auf seine Umwelt wirken möchte, sollte die Farbe Violett bei der Wahl der Krawatte eher aussen vor lassen (mehr über die Sprache der Farben). Angewandt auf das Objekt Krawatte nennt sich dies übrigens Krawattenpsychologie. Wer lieber zu Hause die Wirkung der Kombination verschiedener Farben ausprobieren möchte, findet auf www.jo-krawatte.de/krawatten.html unter ’Beratung’ eine Graphik, an der man das Zusammenspiel von Hemd, Krawatte und Sakko unter Einsatz unterschiedlicher Farben ausprobieren kann.
Zudem wollen zwei Mathematiker ermittelt haben, dass es 85 Varianten gibt eine Krawatte zu knoten, allerdings liefert nur etwa ein Dutzend davon ein halbwegs anschauliches Resultat. Darunter finden sich auch einige der Weitverbreitetesten wie der Four-in-Hand, der halbe/volle Windsor-Knoten und der Manhatten-Knoten (Anleitungen und weitere Möglichkeiten). Durch das Tragen eines etwas anderen Knoten kann man(n) sich also durchaus bereits von der Masse abheben, ohne sich gleich eine pinkfarbene Krawatte umbinden zu müssen.

Krawatte ja oder nein?

Doch zu welchen Anlässen trägt man nun am besten überhaupt eine Krawatte? Wann heutzutage das Tragen einer Krawatte angemessen ist, wird weitestgehend durch Konventionen bestimmt, welche meistens automatisch eingehalten werden. So ist es gut nachvollziehbar, dass an Anlässen, an denen man besonders seriös und feierlich gekleidet erscheinen will oder sollte, das Tragen einer Krawatte ein absolutes Muss darstellt. Deshalb empfiehlt sich beispielsweise für den Büroalltag, ein Bewerbungsgespräch, ein wichtiges Treffen oder Ähnliches immer noch das Erscheinen mit Krawatte. In erster Linie um sich im besten Licht zu präsentieren aber auch, um dem Gegenüber seine Wertschätzung zu symbolisieren: “Wenn ich Krawatte trage, signalisiere ich meiner Umwelt: Ich möchte behandelt werden wie jemand der Krawatte trägt“ (Peter Hohl, dt. Journalist und Verleger). Zudem ist es oft hilfreich, sich am Chef oder an Kollegen betreffend der vorherrschenden Kleiderordnung zu orientieren, um nicht aufgrund seines Outfits negativ aufzufallen.

Wann man(n) welche Krawatte trägt

Welche Krawatte trägt man nun an den verschiedenen Anlässen? Dafür gibt es einige Grundregeln nach denen man sich richten kann: In der Stadt, im Büro oder im Geschäft trägt man(n) am besten eine Krawatte aus Seide oder Polyester mit kleinen Figuren oder Streifen in leuchtenden respektive hellen Grundfarben. Diese sollten in harmonischen Kontrast zum Anzug stehen. Bei formelleren Veranstaltungen tagsüber wie Konferenzen, Besuchen oder Empfängen empfehlen sich ebenfalls Krawatten aus Seide oder Polyester aber in silbergrauen oder dunkelblauen Farben. Diese sollten mit Ton-in-Ton-Effekten oder Punktmusterung arbeiten oder eng gestreift sein, das heisst eine dezente Musterung aufweisen (weitere Anlässe und die dazu adäquate Bekleidung). Grundsätzlich gilt ebenfalls: Je dunkler die Krawatte, desto seriöser wirkt man und je kleinere Muster sich auf ihr befinden, desto mehr Kompetenz strahlt man aus. Zudem sollte man sich bei der Krawattenbreite an der Körpergrösse orientieren und darauf achten, dass die Krawattenspitze immer den Hosenbund respektive den Gürtel berührt. Ausserdem empfiehlt es sich auf mehr als drei Farben in einem Business-Outfit zu verzichten, da dies schnell unruhig wirkt. Generell lässt sich zudem sagen, dass die Kombination von gemusterter Krawatte und gemustertem Hemd oder Anzug mit Vorsicht zu geniessen ist. Dieses Zusammenspiel sollten Sie im Zweifelsfall vermeiden respektive sich entsprechend beraten lassen.

Natürlich kann diese grobe Pauschalisierung noch mit der Kenntnis über den persönlichen Farbtyp verfeinert werden. So engen Augen- und Haarfarbe die Farbwahl zusätzlich ein (Bestimmung des Farbtyps, Stilberatung für Ihn). Beispielsweise sollten Träger mit blauer bis grüner Augenfarbe eher dunkle und glänzende Töne bevorzugen aber auf goldene verzichten, während Männer mit grauen Haaren durchaus auf blaue, rote und grüne Krawatten zurückgreifen können (mehr Details).

Fazit

Grund für das Tragen von Krawatte ist demzufolge nichts Anderes als Konvention, ins Leben gerufen vor langer Zeit und bis heute vor allem von Männern immer weiter perfektioniert. Das Tragen der richtigen Krawatte wird bisweilen zur Kunst stilisiert, aber mit Hilfe einiger Grundregeln lassen sich die grössten Fettnäpfchen problemlos umgehen:
  • Die Krawatte dem Anlass gemäss auswählen. Dabei überlegen, was man mit dem Accessoire erreichen möchte (Wirkung, Aussage) und dementsprechend Farbe, Muster und eventuell Knoten auswählen.
  • Niemals mehr als drei Farben in einem Outfit verwenden und sich im Zweifelsfall auf ein gemustertes Kleidungsstück beschränken.
  • Tragen, womit man(n) sich wohlfühlt. Dabei aber bedenken, dass das Umfeld die eigene Person öfters ansieht, als man selbst.
  • Nach dem Knoten der Krawatte sollte sich das Krawatten-Ende beim Bund befinden.
  • Eine Auswahl an Krawatten bereithalten, um den Anforderungen verschiedener Anlässe gerecht werden zu können (und eventuell der eigenen Stimmung).
  • Bei Unsicherheit an entsprechender Umgebung orientieren (was tragen der Chef oder die Mitarbeiter).

Und falls alle Stricke reissen und man(n) sich unschlüssig ist, für welche Krawatte man sich nun entscheiden soll, hilft vielleicht der Rat von Schauspieler Will Smith. Auf die Frage, weshalb er immer so gut angezogen sei, antwortete er: „Ich ziehe einfach immer nur das an, was mir meine Frau bereitgelegt hat!".

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