Erfolgreicher Tag der Informatik – Aufbruch zu neuem Image
Von Breu AlfredKategorie: IT-Management, ZLI - ZĂĽrcher Lehrlingsvereinigung Informatik
Ein Problem der Informatik ist, dass der Begriff für alles verwendet wird man die komplexen Produkte kaum wahrnimmt. Eine breit angelegte Umfrage zeigt auf, dass Lehrkräfte und Schüler an PC und Office-Programme denken und dass alles aus den USA komme …. Und die Frauen wollen zudem nichts mit Technik und Mathematik zu tun haben.
Das “Jahr der Informatik” und insbesondere der “Tag der Informatik” wollen Gegensteuer geben und aufzeigen, was da wirklich läuft in der Informatik: Beispielsweise, dass mit Office arbeiten so wenig mit der Profiwelt zu tun hat, wie Auto fahren mit Auto konstruieren oder Aerodynamik studieren. Rund 70 Betriebe, Schulen und Institutionen haben am ersten Informatikfest in der Schweiz ihre Sicht gezeigt und wurden von rund 10′000 Besuchenden belohnt, unter ihnen ĂĽber 2′000 Jugendliche. Da wurden Forschungsprojekte wie die automatische Scannerkasse, der sprechende Bankomat fĂĽr Behinderte gezeigt und die Einsatzbreite und vor allem die Vielfalt belegt. Und dass Informatikerinnen und Informatiker ganz normale, kommunikative und gesellschaftsfähige Leute sind, die absolut nicht tagelang vor dem Bildschirm sitzen! Es wurde auch belegt, dass die Schweiz beliebter Forschungsplatz ist mit namhaften Firmen wie IBM, Google, Microsoft und vielen mehr und dass es sehr viele Informatikerinnen und Informatiker braucht! Besonders der unsichtbare Bereich der Software-Entwicklung hat Kommunikationsbedarf: er will aufzeigen, dass kein Auto, kein Tram, kein Zug oder Flugzeug ohne Software funktioniert, auch der grosse HĂĽrlimann-Traktor auf dem Turbinenplatz nicht. ZLI zeigte anhand von Bildmaterial, dass Schweizer Software ĂĽberall drin steckt, von der Kaffeemaschine bis zur Verkehrsampel, bei der Informationssuche bis zur Operation im Spital oder dem MP3. Und wenn man die Informatik abstellen wĂĽrde, nur noch der Bleistift und das Velo funktionieren wĂĽrden…. Gezeigt wurde auch, dass viele Informatik-Tätigkeiten, beispielsweise in der Applikationsentwicklung, nie mit der Technik in BerĂĽhrung kommen und dass Applikationsentwicklung eigentlich ein typischer Frauenberuf ist: Im Team arbeiten, hoher Kommunikationsanteil, organisieren, Abläufe bestimmen und an Darstellungen arbeiten und Leute instruieren.
In diesen Wochen begannen die neuen Lehrlinge und Hochschulstudenten die Ausbildung. Zeit fĂĽr eine Zwischenbilanz. Die ETH verkĂĽndete, dass sie 30 Studenten mehr habe, insgesamt 152. Auch die Universität ZĂĽrich hat mit 76 eine Zunahme zu verzeichnen. Noch fehlen die Angaben einiger schweizerischen Hochschulen, doch zeichnet sich eine deutliche Verbesserung auf gegen 400 ab. Bei den Lehrlingen ist eine Zunahme von 100 Lehrplätzen auf ca. 1700 zu vermelden. Ersten Indizien im neu ausgeschriebenen Lehrstellenverzeichnis per 2009 (LENA) zufolge, geht der Trend weiter. Es ist zu hoffen, dass die bisher höchste Zahl neuer Lehrverhältnisse von 1993 im Jahr 2001 vielleicht wieder erreicht wird. Das täte der Informatik gut, weiss man doch, dass jährlich rund 5′500 Informatikerinnen und Informatiker pensioniert werden! Da klafft eine riesen LĂĽcke im Verhältnis von 1 zu 3, d.h. auf einen Ausgebildeten kommen drei Pensionierte. Dies bedeutet, dass alle, die eine Informatik-Karriere starten, goldigen Zeiten entgegen gehen…! Voraussetzung ist allerdings eine gute Grundbildung. Es wird von ĂĽberall her bestätigt, die Zeit der Selfmade-Quereinsteiger ist vorbei. Heute ist der Lehrabschluss Einstiegs-Minimum. Und wer sich gut wappnen will, schliesst danach eine höhere Berufsbildung an.
Jugendliche suchen Lehrstellen – Informatik sucht Fachleute – was ist nahe liegender, als Lehrstellen schaffen und diese auszubilden?
Aus verschiedenen Indizien wissen wir, dass die Jugend wieder vermehrt Interesse an der Informatik hat. Es werden sich gegen Zehntausend um die Lehrstellen, Informatikmittelschul- und Privatschulplätze bemĂĽhen. Jetzt ist die Zeit fĂĽr die Betriebe gekommen, jetzt gilt es, die Anzahl verfĂĽgbarer Lehrstellen zu erhöhen. Das System der dualen Lehre hat wesentlichen Verdienst am international hohen Ansehen der Schweizer Wirtschaft und bildet in gegen 300 Berufen die Grundlage. Inzwischen wurde die Lehre auch bei der Informatik zum Einstiegslevel zur Profi-Informatik. Knapp 15′000 haben in den letzten 10 Jahren das eidg. Fähigkeitszeugnis als Informatikerin oder Informatiker erworben. Im Tandem mit einer Fachperson sind sie als produktive 60%-Mitarbeiter/-innen tätig. Ende des zweiten Lehrjahres ist die Schwerpunktausbildung weit vorangeschritten. Richtig gemacht, erreichen Informatiklehrlinge im 4. Lehrjahr 75% der Produktivität einer Fachperson. Soeben wurden die besten Abschlussarbeiten der Absolventen dieses Jahres geehrt, sie haben exzellente Praxisarbeiten absolviert. Damit Sie sich ein Bild ĂĽber dieses Niveau machen können, haben wir die Arbeiten auf den Homepages www.zli.ch und www.i-ch.ch publiziert – es lohnt sich einmal darin herumzustöbern.
Dass die Informatik-Grundbildung der Schweiz auch international sehr gut dasteht, haben unsere Teilnehmer an den Berufsweltmeisterschaften wiederholt belegt. Der europabeste Webdesigner an der WM in Japan im November 2008, Sascha Grossenbacher, hat auch eine Informatik-Lehre absolviert. An der WM nehmen bis 22-jährige junge Leute teil.
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Breu Alfred: Präsident Zürcher Lehrmeistervereinigung Informatik (seit deren Bestehen, 11 Jahre), Kaufmann, ursprünglich Bankangestellter mit rund 10 Jahre in der Informatik in Organisations- und Führungsaufgaben, in den Neunziger Jahren als Ressort-Personalleiter einer Grossbank tätig, wo u.A. die Informatik zum Betreuungsgebiet zählte.
Institution:
ZĂĽrcher Lehrmeistervereinigung
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